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"Ich schäme mich!" - Was sagst Du dem Opfer?

59 Beiträge ▪ Schlüsselwörter: Drogen, Vergewaltigung, Missbrauch ▪ Abonnieren: Feed E-Mail

"Ich schäme mich!" - Was sagst Du dem Opfer?

01.06.2023 um 21:11
Zitat von josie321josie321 schrieb:Es geht um provozierende Verhaltensweisen die jedem auffallen!
Jede Frau darf sich so verhalten, wie sie will. Das ist dennoch für niemanden eine Einladung zu übergriffigem Verhalten, sexualisierter Gewalt oder gar Vergewaltigung.
Zitat von josie321josie321 schrieb:Es gibt halt miese Leute und das sollte ihr klar sein, noch dazu kam es zu 2 Vergewaltigungen!
Wenn sie deine Klientin ist, dann hast du sie hoffentlich dabei unterstützt, die Vergewaltigung anzuzeigen.
Und/oder mit den notwendigen Infos versorgt, wo sie umfangreiche Unterstützung bekommt. Und zwar ohne dass ihr jemand nahe legt, sie habe irgendwelche Fehler gemacht.
Es sind die Täter die die Fehler gemacht haben.
Sind die bestraft worden?
Oder laufen die immer noch rum?


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"Ich schäme mich!" - Was sagst Du dem Opfer?

01.06.2023 um 21:27
Hier mal ein bundesweites telefonisches Beratungsangebot.

Hilfetelefon "Gewalt gegen Frauen"


Beraten werden Betroffene, Angehörige, Freund:innen und Fachkräfte.
Herzlich willkommen! Das Hilfetelefon "Gewalt gegen Frauen" ist ein bundesweites Beratungsangebot für Frauen, die Gewalt erlebt haben oder noch erleben. Unter der Nummer 08000 116 016 und via Online-Beratung unterstützen wir Betroffene aller Nationalitäten, mit und ohne Behinderung – 365 Tage im Jahr, rund um die Uhr. Auch Angehörige, Freundinnen und Freunde sowie Fachkräfte beraten wir anonym und kostenfrei.
Aktuelle Nummer ist 116 016
Anrufende aus dem deutschen Telefon- und Mobilnetz erreichen das Hilfetelefon „Gewalt gegen Frauen“ ab sofort unter der neuen kürzeren Nummer 116 016. Das Beratungsangebot ist weiterhin anonym, kostenfrei, barrierefrei und in 18 Fremdsprachen verfügbar. Die bisherige Rufnummer 08000 116 016 bleibt für mindestens ein Jahr parallel bestehen.
Möglichkeit zu chatten gibt es auch.


Quelle: https://www.hilfetelefon.de/

Die Beraterinnen sind Fachkräfte
Alle unsere Beraterinnen sind Fachkräfte, die gut ausgebildet und erfahren sind. Ihre Gesprächspartnerin beim Hilfetelefon ist also gut auf Ihren Anruf vorbereitet und kann während des Telefonats auf Ihre persönlichen Bedürfnisse eingehen. Sollten Sie sich entschließen, bei uns anzurufen, werden Sie stets mit einer vertrauenswürdigen Ansprechpartnerin verbunden. Eines ist uns dabei ganz wichtig: Sie müssen uns nichts erzählen, was Sie nicht wollen. Wir richten uns ganz nach Ihren Bedürfnissen. Im Gespräch bestimmen Sie den Ton und die Geschwindigkeit.
Es werden auch Angebote vor Ort vermittelt
Frauen, die Opfer von Gewalt werden, können in Deutschland vielfältige Beratungs- und Hilfeangebote in Anspruch nehmen. Sollten Sie eine derartige Unterstützung in Ihrer Nähe suchen, vermitteln wir Sie entsprechend weiter. Im Zuge unserer persönlichen Beratung suchen wir dann für Sie das passende Angebot. Dafür nutzen wir eine umfangreiche Datenbank, in der Informationen zu den zahlreichen Hilfeeinrichtungen vor Ort enthalten sind.
Quelle: https://www.hilfetelefon.de/beratung-fuer-frauen.html


Für Freund:innen und Angehörige
Wird eine Frau in Ihrem Umfeld Opfer von Gewalt, stellt Sie das wahrscheinlich vor eine große Herausforderung. Vielleicht erzählt Ihnen eine Freundin Einzelheiten, die Sie belasten oder verstören. Kennen Sie gar den Täter, überfordert Sie die Situation? Oder fehlt Ihnen das Fachwissen, um bestimmte Ereignisse und Erzählungen einzuordnen und sind daher verunsichert? Derartige Gefühle und Konflikte sind ganz normal und verständlich. Als unterstützende Person haben Sie deshalb auch das Recht, Hilfe in Anspruch zu nehmen. Wir hören Ihnen zu und suchen gemeinsam mit Ihnen nach Lösungen.

Es ist oftmals nicht leicht, eine Situation einzuschätzen, in der eine Frau möglicherweise Opfer von Gewalt ist. Gerne beraten wir Sie in solchen Fällen mit unserer Erfahrung. Dabei greifen wir Ihre Beobachtungen auf und versuchen mit Ihnen gemeinsam Hilfsmöglichkeiten zu finden. Sollten Sie beobachten oder befürchten, dass Kinder von Gewalt betroffen sind oder diese beispielsweise miterleben, wie ihre Mutter geschlagen wird, stehen wir Ihnen ebenfalls zur Seite und können mit Ihnen mögliche Schritte besprechen.

Vielleicht möchten Sie von uns wissen, wie Ihre Freundin oder Bekannte Kontakt zu uns aufnehmen kann? Oder Sie wollen sicher gehen, dass sie mit ihrem Problem bei uns richtig aufgehoben ist? Möglicherweise rufen Sie auch bei uns an, weil sich Ihre Freundin oder Bekannte nicht traut, unsere Nummer zu wählen? 

All dies sind gute Gründe, sich beim Hilfetelefon zu melden.
Quelle: https://www.hilfetelefon.de/informationen-fuer-unterstuetzende-personen.html


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"Ich schäme mich!" - Was sagst Du dem Opfer?

01.06.2023 um 22:32
Zitat von Cleo13Cleo13 schrieb:Bewusstwerden der Unsinnigkeit
Auf gar keine Fall, denn:
Zitat von LuciaFackelLuciaFackel schrieb:Aber zumindest für mich fühlt sich das an wie ein weiterer Akt der Gewalt, der dem Opfer angetan wird, wenn man ihm damit im Grunde sagt, "Deine Gefühle sind falsch".
D
Zitat von janedoe95janedoe95 schrieb:Einfach zuhören und für den anderen da sein, auch gemeinsam weinen und über alles sprechen worüber die betroffene Person gerade reden möchte.
"Was kann ich für dich tun" "Wie kann ich dir helfen" "Sollen wir gemeinsam einen Therapieplatz für dich suchen" "Kann ich dir etwas gutes tun"
Ich würde auf jeden Fall ansetzen professionelle Hilfe zu finden. So gut wie es man selbst auch meinen mag, kann man keine psychologische Betreuung ersetzen.
Das beantwortet die Frage umfassend.


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"Ich schäme mich!" - Was sagst Du dem Opfer?

02.06.2023 um 09:06
Zitat von fischersfritzifischersfritzi schrieb:Sind die bestraft worden?
Oder laufen die immer noch rum?
Nein, sie hat die nicht angezeigt und ich machte ihr keine Vorwürfe ! Weil sie in kriminellen Machenschaften verwickelt ist,zeigt sie die nicht an!
Die laufen noch frei rum!


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"Ich schäme mich!" - Was sagst Du dem Opfer?

02.06.2023 um 13:18
Ich finde es interessant, in den Antworten hier zu sehen, dass manche anscheinend keinen Unterschied zwischen Scham und Schuld machen bzw. dass die Scham nur eine Folge einer (Mit-)Schuld sein könnte.
Aber das sehe ich gar nicht so. Von Schuld oder Mitschuld ist in meiner Frage gar keine Rede.

Ich glaube, die Scham eines solchen Opfers resultiert aus der Verletzung seiner Würde.
Also, wenn man über die "richtige" Antwort auf dieses Geständnis nachdenkt, dann sollte das eine sein, die in irgendeiner Weise die Würde des Opfers wieder herstellt oder bei deren Heilung hilft, bzw. wenigstens diese tiefe Verletzung anerkennt.

Ich sehe hier auch bei vielen, dass sie dem Opfer sagen würden, "Ich kann dir nicht helfen, such dir professionelle Hilfe". Aber was glaubt Ihr denn, was in so einem Fall von einem Freund, Geschwister oder so erwartet wird? Doch nicht, das Problem zu lösen! Eine beste Freundin, die Dir erzählt, was ihr passiert ist, und wie sie sich jetzt fühlt, weiß, dass Du kein zertifizierter Therapeut bist, und erwartet das auch nicht.
Wenn ich versuche, mich in diese Situation zu versetzten, und ich bekomm so eine Antwort, die noch nicht mal ein "Das tut mir so leid für dich" enthält, dann würde ich verstehen: "Belästige mich nicht mit Deinen Problemen."
Traurig, dass manche den Fokus nur auf sich selbst haben und nicht mal in so einer Situation sich vergessen und nur den anderen fühlen können.


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"Ich schäme mich!" - Was sagst Du dem Opfer?

02.06.2023 um 15:33
Es ist mir extrem unangenehm, dass im Jahre 2023 hier noch teilweise Sachen erklärt und diskutiert werden müssen, die eigentlich schon extrem lange nicht mehr diskutiert werden müssten.

Ich schäme mich, dass Victim Blaming und die Kleidung einer Überlebenden zu thematisieren noch immer salonfähig ist.


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"Ich schäme mich!" - Was sagst Du dem Opfer?

02.06.2023 um 17:25
Zitat von LuciaFackelLuciaFackel schrieb:Ich finde es interessant, in den Antworten hier zu sehen, dass manche anscheinend keinen Unterschied zwischen Scham und Schuld machen bzw. dass die Scham nur eine Folge einer (Mit-)Schuld sein könnte.
Aber das sehe ich gar nicht so. Von Schuld oder Mitschuld ist in meiner Frage gar keine Rede.
Du hast das doch gleich im EP vermengt.......was erwartest Du dann? Außerdem gehen Schamgefühle und Schuldgefühle da eine Verbindung ein, das eine bedingt das andere.


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"Ich schäme mich!" - Was sagst Du dem Opfer?

02.06.2023 um 22:40
Zitat von MissMaryMissMary schrieb:Es ist leider glaube ich oft so, dass unbeteiligte Menschen, praktisch als Schutzmechanismus, dem Opfer eine Mitschuld zuschrieben, und damit ausschließen, dass ihnen so etwas passiert - auch wenn das irrational ist.
Hmm... ich glaube eher, das es daher rührt, das der Täter ja gar nicht sooo schlimm ist u. das Opfer den Täter herausgefordert haben muss, weil er ansonsten nichts gemacht hätte.

Die Frage bei Kindern: "Und was hast du gemacht, das er dich gehauen hat, sagt schon einiges aus und halten an diesem Denkmuster bei Erwachsenen fest.


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"Ich schäme mich!" - Was sagst Du dem Opfer?

03.06.2023 um 06:46
Das fiktive Thema ist, glaube ich, eh ein wirklich schwerer Sonderfall und eigentlich wünscht sich doch jeder, dass er niemals damit konfrontiert wird.

Zum Beispiel "Scham" im Allgemeinen: man kann durchaus einmal selber zurückblicken, ob man das schon mal selber erlebt hat. Gibt ja viele Situationen, die dazu führen können. Was führte denn letztendlich dazu, dass man sich schämen musste, obwohl man selber keinen Anlass dazu gab?

Die Frage wäre also, was hat man daraus mitgenommen, hat man das so einfach abklingen lassen? War das Gefühl dann sekundär wieder vorbei? Hat das Umfeld diese Situation überhaupt mitbekommen?

Wenn mich ein Schamgefühl überkäme, dann würde ich mich auch fragen, warum mir das passiert. Ich würde in mich gehen und Revue passieren lassen, was dazu führte, dass ich mich schämen musste.


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"Ich schäme mich!" - Was sagst Du dem Opfer?

03.06.2023 um 11:23
@Fellhase

Ja, diese Frage, was das Opfer denn getan hat, dass der Täter zum Täter wurde, gibt es auch in anderen Bereichen. Ich glaube, dafür gibt es zwei Gründe:

Erstens will derjenige, der das fragt, nicht wahrhaben, dass er auch ein Opfer hätte werden können, und es reiner Zufall ist, dass es jemand anderen getroffen hat. Er will sich selbst einreden, dass er sich immer so verhält, dass ihm so etwas gar nicht passieren KANN. Und wenn das Opfer nur zu schwach war, um sich zu wehren. Der Fragende erhebt sich also (meistens unbewusst) über das Opfer.
Dieses Verhalten findet man sogar hier in diesem Thread.

Zweitens wollen viele Leute an eine heile Welt glauben, wo alle Leute eigentlich gut sind. Ein Täter, der einfach nur aus freiem Willen oder gar aus Jux und Dollerei einen anderen Menschen verletzt, schikaniert, sexuell missbraucht oder was auch immer, passt da nicht ins schöne Bild. Weil man nicht wharhaben will, muss man bei der Meinung bleiben, dass der Täter "eigentlich" gut war. Deshalb wird die Verantwortung von ihm selbst und auf das Opfer geschoben, das den Täter wohl provoziert haben muss. Es ist dann also nach Meinung dieser Leute das Opfer, das die Idylle stört und sein Leid für sich behalten sollte.

Drittens gibt es wahrscheinlich auch ein paar Leute, die sich wirklich eher mit dem Täter identifizieren können (beispielsweise bei leichter Bekleidung einer hübschen Frau nur an Sex denken), aber noch genug Anstand oder Kraft haben, sich zu bremsen. Die wissen zwar, dass der Täter im Unrecht ist, neigen aber (vielleicht auch nur unbewusst) dazu, Verständnis für ihn zu haben. Zwangsläufig ist dann das Opfer schuld.


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"Ich schäme mich!" - Was sagst Du dem Opfer?

03.06.2023 um 11:55
Also zunächst mal: Der Verweis auf professionelle Hilfe ist richtig. Wer eine traumatische Erfahrung gemacht hat, dem kann eine Therapie oft helfen.

Aber natürlich gibt es auch eine zwischenmenschliche Komponente. Viele Menschen wollen entweder nicht zur Therapie oder sie wollen nicht NUR mit dem Therapeuten darüber sprechen, sondern auch mit anderen Menschen.
Das heißt manchmal muss man auch eine Antwort auf solche Aussagen finden, die über "das gebe ich in kompetente Hände ab" hinausgeht.

Und meistens halte ich es da für am vernünftigsten, einfach zuzuhören. Denn darum erzählen es viele Menschen ja: damit jemand zuhört und sie darüber sprechen können.

Ich bin von sowas zum Glück nicht betroffen, aber ich habe es immer als extrem toxisch wahrgenommen, wenn jemand bei Lebensproblemen in welcher Form auch immer sofort irgendwelche Ratschläge parat hatte, die über reine Angebote hinausgingen.

Also z.B. würde ich zu so jemanden nicht sofort sagen "du solltest dich aber nicht schämen!" sondern erstmal schauen, worüber diese Person da mit mir ALS FREUND, wohlgemerkt als Freund nicht als Therapeuten, sprechen möchte.

Dann kann man im Anschluss vielleicht, wenn es sich anbietet, gemeinsam überlegen, ob es eventuell etwas geben könnte, ob man z.b. etwas gemeinsam unternehmen kann um eine positive Erfahrung zu machen.
Aber ein solches Gespräch muss nicht immer mit einer Lösung oder einer positiven Note enden.

Manchmal möchte ein betroffener von Gewalt auch einfach darüber sprechen, dass die Erfahrung schrecklich war und er/sie leidet. Und dann macht es auch Sinn, ihn das einfach tun zu lassen ohne zwanghaft alles ins Positive zu drehen.


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"Ich schäme mich!" - Was sagst Du dem Opfer?

03.06.2023 um 12:06
@Do-X
Zitat von Do-XDo-X schrieb:Zum Beispiel "Scham" im Allgemeinen: man kann durchaus einmal selber zurückblicken, ob man das schon mal selber erlebt hat. Gibt ja viele Situationen, die dazu führen können. Was führte denn letztendlich dazu, dass man sich schämen musste, obwohl man selber keinen Anlass dazu gab?
Bei gesunder Psyche und Sozialisierung ist Scham eine Art Korrektiv, das einem anzeigt, dass man selbst sich falsch verhalten hat. Gesunde Scham hat mit Reflektion zu tun und damit, die eigenen Grenzen und die der anderen zu wahren, indem man selbst sie nicht übertritt.
Deshalb finde ich die "toxische" Scham des Opfers so problematisch. Sie ist im Grunde eine Falschmeldung, die derjenige an sich selbst sendet, und in der er sich mitteilt, dass er etwas falsch gemacht hat.
Für das falsche Verhalten anderer müssen wir uns normalerweise nicht schämen (außer in Form der Fremdscham, die anzeigt, dass wir uns in irgendeiner Weise mit demjenigen, für den wir uns schämen, solidarisieren oder identifizieren), sondern anstelle von Scham sollten wir für das grenzübertretende Verhalten anderer gesunde Aggression zeigen, mit der wir die Grenzen wieder herstellen.

Ich glaube, die Scham von Missbrauchsopfern rührt von einer Empfindung von Beschmutzung durch die Tat, Verletzung der Würde. Scham bezieht sich auf etwas in der Person, die Scham empfindet.
Eine tröstliche Reaktion sollte darauf eingehen, denke ich.


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"Ich schäme mich!" - Was sagst Du dem Opfer?

03.06.2023 um 12:30
Zitat von AlteTanteAlteTante schrieb:Erstens will derjenige, der das fragt, nicht wahrhaben, dass er auch ein Opfer hätte werden können, und es reiner Zufall ist, dass es jemand anderen getroffen hat
Das Victim Blaming gibt es auch in vielen anderen Bereichen:

Arbeitslos? - selber Schuld!
Opfer von Narzisstischem Missbrauch? -selber Schuld!
Mobbing? Ausgrenzung? Betrugsopfer?
-selber Schuld!

Auch wenn man mal um Rat fragt, kommt nicht erst die Lösung sondern:
Wie kann man auch so blöd sein...das falsche Waschmittel benutzt...einen Fehlkauf gemacht...etc.

Ja, das ist eine Abwehrform:
Mir kann das nicht passieren.
Da ist man auf der sicheren Seite, und der andere ist doof.
Selber Schuld!
Oder schlimmer, einem wird nicht geglaubt, seine Wahrnehmung mit Füssen getreten.

Scham wird dabei auch von unbeteiligten in das Opfer noch zusätzlich eingebaut.
Kein Wunder, dass so viele Vergewaltigte Frauen nicht anzeigen.


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"Ich schäme mich!" - Was sagst Du dem Opfer?

03.06.2023 um 13:05
Zitat von HyperboreaHyperborea schrieb:Arbeitslos? - selber Schuld!
Opfer von Narzisstischem Missbrauch? -selber Schuld!
Mobbing? Ausgrenzung? Betrugsopfer?
-selber Schuld!
Ich gebe dir größtenteils recht, bin aber auch der Meinung, dass es ein wenig darauf ankommt, wie solche Dinge geschildert werden.
Wenn bereits eine Reflexion stattgefunden hat, folgt selten ein selber schuld. Wenn man immer nur die Gründe im Außen, den anderen sucht, dann durchaus mal.

Es ist ein Unterschied, ob der Betroffene die Situtation schildert und dabei auch benennt, ob er sich u.U. in gewissen Situationen auch "schräg" verhalten hat. Wobei ich Missbrauch, Vergewaltigung, sex. Übergriffe definitiv rausnehmen möchte. Da gibt es keine Schuld und Mitschuld des Opfers. Auch, wenn diese sich das immer wieder fragen werden, warum ihnen das widerfahren ist.

Wenn jemand erzählt, dass er bei den letzten 5 Arbeitsstellen immer gemobbt wurde, würde ich durchaus nachhaken und fragen, ob derjenige denn wohl Eigenarten an sich hat, die das begünstigen - es wird nicht richtiger, ist aber durchaus eine Erklärung. Wenn jemand selbstverschuldet (!) arbeitslos geworden ist, dann muss man nicht Honig ums Maul schmieren, denn es bessert die Situtation auch nicht. Fehlersuche und -benennung ist nicht immer falsch oder kontraproduktiv.
Wenn eine Frau sich z.B. fragt, warum sie immer an Arschlöcher gerät? Dann, weil sie sich die selbst mit aussucht. Wenn jemand immer sein Geld zum offenen Fenster raushaut und dann bejammert, pleite zu sein und nicht zu wissen, wie er über den Monat kommt, selber schuld - natürlich, was auch sonst. Warum sollte man das nicht sagen dürfen?

Zum Topic und dieser Fragestellung: Zuhören, auffangen und dann aber professionelle Hilfe organisieren.


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"Ich schäme mich!" - Was sagst Du dem Opfer?

03.06.2023 um 16:31
Zitat von AlteTanteAlteTante schrieb:Zweitens wollen viele Leute an eine heile Welt glauben, wo alle Leute eigentlich gut sind.
Bestes Beispiel hierfür ist wohl Claudia Roth ab Minute 4:05

Youtube: Deutsche in der Todeszelle (1999) | SPIEGEL TV
Deutsche in der Todeszelle (1999) | SPIEGEL TV
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Grausame Tat, das Opfer hatte gefesselt keine Chance zur Gegenwehr und Claudia Roth sagt über den Täter, das er "ein ganz wunderbarer Mensch" ist u. noch einiges mehr.

Verkehrte Welt für meinen Geschmack.
Höchst peinlich, was sie da total aufgelöst und weinend sagte, zum Fremdschämen.


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"Ich schäme mich!" - Was sagst Du dem Opfer?

03.06.2023 um 17:04
Zitat von shionoroshionoro schrieb:Und meistens halte ich es da für am vernünftigsten, einfach zuzuhören. Denn darum erzählen es viele Menschen ja: damit jemand zuhört und sie darüber sprechen können.
Es liegt an jedem selbst, wie stark man ist.

Stark ist derjenige, der all seinen Mut zusammenkratzt und laut ausspricht, dass er sich schämt. Das kostet so dermaßen viel Überwindung und Kraft, aber es ist zugleich erlösend und der wichtigste Schritt, gehört zu werden. Alles Andere ergibt sich dann fast von selbst.


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"Ich schäme mich!" - Was sagst Du dem Opfer?

03.06.2023 um 20:09
Zitat von Do-XDo-X schrieb:Stark ist derjenige, der all seinen Mut zusammenkratzt und laut ausspricht, dass er sich schämt.
Aber Scham kannst du nur selbst überwinden, indem du reflektierst und Dinge gerade rückst, die dir von anderen eingeblasen werden.
Es sind immer die anderen.
Ein Mensch kommt ja erstmal ohne Scham zur Welt.

Es heisst ja auch man wird Be-schämt.
Zitat von LuciaFackelLuciaFackel schrieb:Bei gesunder Psyche und Sozialisierung ist Scham eine Art Korrektiv, das einem anzeigt, dass man selbst sich falsch verhalten hat. Gesunde Scham hat mit Reflektion zu tun und damit, die eigenen Grenzen und die der anderen zu wahren, indem man selbst sie nicht übertritt.

Deshalb finde ich die "toxische" Scham des Opfers so problematisch. Sie ist im Grunde eine Falschmeldung, die derjenige an sich selbst sendet, und in der er sich mitteilt, dass er etwas falsch gemacht hat.
Falschmeldung oder eher Rollentausch.
Opfer-Täter-Umkehr.

"Wäre ich nicht nachts noch so spät auf der Strasse gewesen...."

So ein Quark!
Du hast jedes Recht, dort zu sein, wann und wo du willst.


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"Ich schäme mich!" - Was sagst Du dem Opfer?

03.06.2023 um 22:41
Zitat von InterestedInterested schrieb:Wenn jemand erzählt, dass er bei den letzten 5 Arbeitsstellen immer gemobbt wurde, würde ich durchaus nachhaken und fragen, ob derjenige denn wohl Eigenarten an sich hat, die das begünstigen - es wird nicht richtiger, ist aber durchaus eine Erklärung. Wenn jemand selbstverschuldet (!) arbeitslos geworden ist, dann muss man nicht Honig ums Maul schmieren, denn es bessert die Situtation auch nicht. Fehlersuche und -benennung ist nicht immer falsch oder kontraproduktiv.
Wenn eine Frau sich z.B. fragt, warum sie immer an Arschlöcher gerät? Dann, weil sie sich die selbst mit aussucht. Wenn jemand immer sein Geld zum offenen Fenster raushaut und dann bejammert, pleite zu sein und nicht zu wissen, wie er über den Monat kommt, selber schuld - natürlich, was auch sonst. Warum sollte man das nicht sagen dürfen?
Ich weiß, was du hier meinst. Es gibt Auslöser, Ursprünge, Gründe.
Man könnte also definitiv sagen, dass es was mit den Menschen und deren Verhalten zu tun hat.

Aber ich finde es etwas schwierig und problematisch das Wort "Schuld" zu nehmen.
Das ist kein wissenschaftlicher Begriff und klingt verurteilend.
Es klingt auch ein wenig wie: "Du hast aktiv und absichtlich etwas Falsches gemacht!"

Meistens passieren solche Sachen aber unbewusst.

Ein Betroffener von Mobbing ist oft schon in eine gewisse "Rolle" geraten, aus der es schwierig ist
sich zu lösen. Da gibt es oft ganz unbewusste Verhaltensweise oder Signale, die wiederum andere
gewisse Leute ganz schnell erkennen und so können sich auch wieder schnell ähnliche Dynamiken
entwickeln.
Da reicht auch manchmal ein "Überreagieren" des Betroffenen, weil er unbewusst denkt,
dass andere ihn wieder ausschließen oder über ihn lachen oder ihn schikanieren - auch, wenn das
gar nicht der Fall ist. Aber das Überreagieren löst dann das aus, was die Person vermutet hat.
Ein Teufelskreis. Oder eine Person verschließt und distanziert sich etwas, weil sie unbewusst denkt,
dass sie ausgeschlossen oder nicht gemocht werden würde, was auf andere dann so wirkt, als
wollte die Person nichts mit anderen zu tun haben oder sei arrogant oder distanziert.
Das ist alles immer ein typischer Teufelskreis bei betroffenen von Mobbing.

Leider sind Menschen eben Gewohnheitstiere und "merken" sich auch "Soziale Rollen",
die manchmal auch schon im Elternhaus falsch geprägt worden sind.

Eine Frau, die immer an die falschen Männer gerät oder in toxischen Beziehungen endet,
könnte hier also ein Problem mit Selbstbild oder eine Persönlichkeitsstörung haben oder
eben auch hier ganz salopp gesagt sich die "Rolle" gemerkt haben, die hier eingenommen
wird. Auch das kann bereits schon im Elternhaus falsch geprägt worden sein.

Entweder ist bei all diesen hier aufgezählten Fällen das erste Mal, in welchem sowas passierte,
ein zufälliges Unglück, aber dann wurde sich diese Dynamik gemerkt und diese Rolle unbewusst
angenommen und es fällt schwer wieder daraus auszubrechen oder aber es wurden diese
Rollenmuster schon in der Kindheit und von den Eltern oder anderen Traumata geprägt.


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"Ich schäme mich!" - Was sagst Du dem Opfer?

03.06.2023 um 23:34
Zitat von SuiGenerisSuiGeneris schrieb:Ein Betroffener von Mobbing ist oft schon in eine gewisse "Rolle" geraten, aus der es schwierig ist
sich zu lösen. Da gibt es oft ganz unbewusste Verhaltensweise oder Signale, die wiederum andere
gewisse Leute ganz schnell erkennen und so können sich auch wieder schnell ähnliche Dynamiken
entwickeln.
Da reicht auch manchmal ein "Überreagieren" des Betroffenen, weil er unbewusst denkt,
dass andere ihn wieder ausschließen oder über ihn lachen oder ihn schikanieren - auch, wenn das
gar nicht der Fall ist. Aber das Überreagieren löst dann das aus, was die Person vermutet hat.
Ein Teufelskreis. Oder eine Person verschließt und distanziert sich etwas, weil sie unbewusst denkt,
dass sie ausgeschlossen oder nicht gemocht werden würde, was auf andere dann so wirkt, als
wollte die Person nichts mit anderen zu tun haben oder sei arrogant oder distanziert.
Das ist alles immer ein typischer Teufelskreis bei betroffenen von Mobbing.
Hast schon recht, auch mit dem obigen. Es ping-pongt sich. Aber immer wieder das Gleiche zu tun und andere Ergebnisse zu erwarten, wobei.... das Zitat von Albert Einstein schon viel Wahrheit hat. Also könnte man den anderen auch aktiv ansprechen, dem, dem es nicht bewusst ist und dem, der reagiert - vice versa.

Irgendwie beides menschlich.


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