Pokemon Lavender Town Syndrome und Selbstmorde
21.09.2026 um 21:00Ich persönlich finde ja die Musik in Lavender Town auch sehr mystisch und auch leicht unheimlich. Aber gleichzeitig auch irgendwie entspannend.
Genau so sehe ich das auch!Knorpelgott schrieb:Wait a minute, das Lavender Town Syndrome ist noch ein Ding? :D Ich halte das für ziemlichen Humbug, dass dieser Track einen willenlos macht und einfach mal Selbstmord begehen lässt. Wenn überhaupt muss man wie bei jedem ton-induzierten trance-artigen Bewusstseinszustand diese Absicht bereits haben. Und selbst dann führt es nicht automatisch dazu, dass man sich selbst oder andere verletzt bzw. tötet. Es ist also wenn überhaupt ein Placebo. Es kann wirksam sein, aber es verstärkt nur die eigene Absicht. Ich beschäftige mich viel mit Klängen, die spezielle Bewusstseinszustände erzeugen, inklusive Hemi-Sync. Wenn ich nicht wollen würde, dass das funktioniert, dann würde mein Bewusstsein immer wieder dazwischenfunken und sagen: "So ein Blödsinn. Klappt eh nicht." Das Unbewusste fasst das dann als Bestätigung auf und veranlasst, dass das, was ich da höre, keine Wirkung auf mich haben kann.
So sieht's aus!Knorpelgott schrieb:Die Produzenten haben sich damals wegen des Settings dieser Stadt im Spiel an shintoistischer und buddhistischer Ritualmusik orientiert, die tatsächlich bei manch empfänglichen Personen eine Wirkung haben kann. Insbesondere zu Beerdigungen oder ähnlichen Ritualen, die mit der Vorstellung an einer jenseitigen Welt zu tun haben, haben die dort gespielten Instrumente ähnliche Tonfolgen wie im Track von Lavender Town. Das kommt nicht von ungefähr, da man schon vor hunderten von Jahren aufgrund des Mangels an ständiger Verfügbarkeit von Musik und allgemein Kunst der Wirkung selbiger sehr viel bewusster war. Damals verstand man Kunst als Ausdruck des Eindrucks. Als Rückkopplung für das Erlebte und Gefühlte. Geister und Verstorbene galten nicht automatisch als unheimlich und huuuuugruselig. Das kam erst später durch den Einfluss der Europäer/europäische Amerikaner. Es waren einfach nur Ritualklänge, die auf Menschen, die sich diesen paranormalen Phänomenen sehr verbunden fühlten und es auch erforschen wollten, gewisse Veränderungen in der Wahrnehmung verursachten, wodurch sie plötzlich Geister sahen oder zu sehen glaubten. (Und andere Yōkai speziell in Japan.)
Diese ritualistische Musik wurde in Teilen dann für dieses Spiel übernommen, was in einigen Spielern, die sich mit den Ritualen bereits beschäftigt haben, gewisse Assoziationen hervorriefen. Eine Erinnerung an eine buddhistische Beerdigung beispielsweise. Oder an ein Hachigatsu-Bon bzw. Shichigatsu-Bon erinnert fühlten, auf denen solche Musik auch von traditionellen Musikern gespielt werden, um eine sogenannte Geisterprozession nachzuerzählen, weil das Sehen einer Geisterprozession unweigerlich dazu führt, dass man sich ihr anschließt. (Ausdruck vom Eindruck)
Das ist so tragisch mit dem Tragosso! Und auch eine viel interessantere Geschichte, als das Lavender Town Syndrome selbst. Achtung Spoiler, für diejenigen, die Pokemon nie richtig gespielt haben. :D Tragosso trägt ja nicht nur den Schädel der Mutter. Sondern von Generation zu Generation wird dieses Verhalten fortgesetzt. Über all die Jahrtausende wird so den Vorfahren der Tragossos gedacht. Wenn es seinen Kummer über den Verlust der Mutter akzeptiert und verinnerlicht hat, wird Tragosso eins mit dem Schädel. Es verschmilzt mit ihr und erschafft so ein vollkommen neues Wesen. Bis es selbst Nachkommen zeugt, die ihrerseits den Schädel tragen, mit ihm verschmelzen und ewig so weiter.Jules20 schrieb:unter anderem Tragosso
Da hast du vollkommen Recht!Knorpelgott schrieb:Das ist so tragisch mit dem Tragosso! Und auch eine viel interessantere Geschichte, als das Lavender Town Syndrome selbst. Achtung Spoiler, für diejenigen, die Pokemon nie richtig gespielt haben. :D Tragosso trägt ja nicht nur den Schädel der Mutter. Sondern von Generation zu Generation wird dieses Verhalten fortgesetzt. Über all die Jahrtausende wird so den Vorfahren der Tragossos gedacht. Wenn es seinen Kummer über den Verlust der Mutter akzeptiert und verinnerlicht hat, wird Tragosso eins mit dem Schädel. Es verschmilzt mit ihr und erschafft so ein vollkommen neues Wesen. Bis es selbst Nachkommen zeugt, die ihrerseits den Schädel tragen, mit ihm verschmelzen und ewig so weiter.
Es verdeutlicht, dass auf das Leben immer der Tod kommt, aber auf den Tod auch immer das Leben. Alles ist im steten Fluss und wir können ihn nicht aufhalten, so traurig das auch ist - es ist auch gleichzeitig wunderschön. Tragosso ist damit ebenfalls ein sehr spirituelles Thema in den Spielen. Ich finde, man könnte solchen Dingen mehr Aufmerksamkeit schenken. Der ursprüngliche Gedanke von Pokemon waren nicht einmal die Kämpfe.