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Ausgleichende Gerechtigkeit

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Ausgleichende Gerechtigkeit

12.06.2013 um 03:07
Nach anfänglich erdrückender Ziel- und Inhaltslosigkeit hat sich die Diskussion: Hab ich eine Gabe? in eine positive Richtung entwickelt, Thema ist jetzt "ausgleichende Gerechtigkeit".

Der Begriff "ausgleichende Gerechtigkeit" zielt auf die Vorstellung ab, dass sittenwidriges Handeln in der Vergangenheit durch zukünftige Ereignisse bestraft wird, die dem Schuldigen widerfahren.

1.
Gibt es Anhaltspunkte für die Anwendbarkeit dieser Theorie, zum Beispiel in Form von
- deterministischen Fügungen des Schicksals,
- der Eigenschaft von statistischen Daten, sich bei zunehmender Stichprobengröße an einen "ausgleichenden" Erwartungswert anzunähern,
- oder das gezielte Eingreifen eines göttlichen Wesens?

Sprechen eventuell andere Fakten oder Erfahrungen für oder gegen diese These?

2.
Weitergedacht: Macht ausgleichende Gerechtigkeit die Judikative, d.h. die rechtsprechende Gewalt überflüssig?


Anmerkung: Diesen Einstiegspost habe ich stellvertretend für den User "mariasboy" verfasst, der herzlich eingeladen ist, sich zu beteiligen und, wenn alle damit einverstanden sind, die Diskussion zu moderieren.


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Ausgleichende Gerechtigkeit

12.06.2013 um 03:28
Also, da ich mich in einem anderen Thread ( Diskussion: Miteinandermit Gott Ich Bin Eins Miteinandermit ) früher schon ausführlich zu diesem Thema geäussert habe, erlaube ich mir mal, 2 Beiträge von dort hier einzufügen.




Ich sehe durchaus eine Ordnung und jede Menge Möglichkeiten darin, es alles so zu gestalten, dass wir alle glücklich sein könnten.

Das Konzept göttlicher Strafe lehne ich ab, daran glaube ich nicht. Aber ich glaube an Folgerichtigkeit, an Konsequenzen und Gesetzmäßigkeiten. Alle Dinge, die geschehen, richten sich danach. Und somit ist alles beeinflussbar, alles liegt in unseren Händen.

Der Sinn unseres Hierseins, unseres Lebens, liegt aber nicht darin, immer alles "richtig"* zu machen, sondern darin, Erfahrungen zu machen.
Menschen glauben gerne, wenn sie nur immer die positive Seite von allem erleben, dann haben sie alles richtig* gemacht.
In diesem Fall frag ich mich aber - auch wenn´s schnippisch klingt - wieso lehrt dann das Christentum die Wichtigkeit der Vergebung?

Leiden entsteht meistens nicht durch die Tat selbst, die man erlebt, sondern dadurch, wie man selbst emotional mit dem Erlebten umgeht. Leiden bedeutet, die Emotion festzuhalten, anstatt sie einfach durch sich hindurch fließen zu lassen. Sie soll erlebt werden - das wollen wir, dazu sind wir hierher gekommen, wo es Emotionen gibt - aber sie soll nicht für immer festgehalten werden.
Eine Emotion loszulassen, bedeutet, zu vergeben. Das hat nichts mit dem klassischen Begriff der Vergebung gegenüber einem Täter zu tun, sondern es heisst, dass man sich selbst von dem festgehaltenen Leid befreit.
Das alles funktioniert aber nur über den Weg der Übernahme von Verantwortung. Man muss die Verantwortung für sich selbst übernehmen, für die eigenen Emotionen, die eigenen Erlebnisse, und wer das tut, der erhält Macht über sich und sein Leben, sein Erleben, und der sucht keine Schuld und keine Erfüllung mehr bei anderen.

Alles Leid, das in der Welt stattfindet, kann jederzeit für jeden einzelnen Menschen der Weckruf zu dieser Eigenverantwortlichkeit und Selbstermächtigung werden.

Es ist in der Tat so, dass es besser für uns alle wäre, das schneller zu lernen.
Emotionen werden gezielt im großen Maßstab ausgelöst, entweder Leid durch künstlich erzeugt Notstände, oder große Freude bei Massenveranstaltungen. Man sollte sich dessen bewußt sein, dass solche Ballungen und Konzentrationen von Emotionen auf jeden Fall etwas bewirken, evtl. an ganz anderem Ort, aber es kommt durch ein großes Maß an Emotion, z.B. Leid, auf jeden Fall irgendwann zu einer Eskalation, das kann dann eine Naturkatastrophe sein, wenn sich diese Energie durch die Erde entlädt, oder ein Krieg, wenn sie sich durch die Menschen entlädt.
Jeder einzelne von uns hängt als Mit-Auslöser da mit drin, auch wenn der Krieg weit weg von uns stattfindet.

"In Ordnung" im eigentlichen Sinn des Wortes ist also alles, alles folgt einer Ordnung, einer Gesetzmäßigkeit. Für jede Wirkung gibt es Ursache.

Diese Erde ist ein Ort, an dem wir das erkennen können.
Wenn wir es heute erkennen und "beenden", sind wir die letzten, die diese Chance hatten; alle, die nach uns noch herkommen, können es nicht mehr erleben.
Jeder einzelne von uns kann es für sich selbst in Ordnung bringen, in dem er lernt, mit seinen Emotionen umzugehen. Auf diese Weise entziehen wir uns diesem harten Spiel von Ursache und Wirkung, oder wir können sogar gezielt Ursachen setzen für Wirkungen, die wir anstreben. DAS war wohl gemeint, als es hieß, wir sollten uns die Erde untertan machen - nicht, sie zu versklaven, sondern, uns selbst dazu zu ermächtigen, auf ihr schöpferisch tätig zu sein.





Was das Geben und Zurückbekommen betrifft, so unterliegen wir einer bestimmten Vorstellung von Gerechtigkeit; wer Böses tut, erhält im Glauben vieler Menschen auch solches zurück, entweder noch innerhalb desselben Lebens, oder, wenn man an Reinkarnation glaubt, in einem späteren, oder im Jenseits, in einer Hölle.

Deine Worte sind für mich ein guter Anlass, gleichzeitig auch auf Niselprims Frage,

LuciaFackel schrieb:
Alles Leid, das in der Welt stattfindet, kann jederzeit für jeden einzelnen Menschen der Weckruf zu dieser Eigenverantwortlichkeit und Selbstermächtigung werden.

Nieselprim schrieb:
Welche Selbstermächtigung gäbest Du der Seele bspw. eines Vergewaltigungsopfers?
zu antworten.

Unser Glaube an Vergeltung durch Karma, Schicksal oder Gott entspringt unserem emotionalen Bedürfnis nach Ausgleich, egal, ob im Sinne von Belohnung oder von Bestrafung.
Ich denke, wenn wir ehrlich sind, sehen wir um uns genug Beispiele, dass dieses Konzept nicht immer zutrifft; Betrüger werden reich, Mörder und Vergewaltiger laufen frei herum, und bei weitem nicht alle von ihnen erhalten irgendeine Art von Strafe in Form von Unglück oder ähnlichem, die wir erkennen könnten. Und dass sie im Jenseits oder in späteren Inkarnationen bestraft (oder belohnt) werden, ist unsere Fantasie, unser Wunschdenken, unser Glaube, aber Beweise dafür bekommen wir nicht.

Und wenn wir unseren derartigen Glauben oder Wunsch mal kritisch betrachten, so dürfte uns auch auffallen, dass er boshaft und schadenfroh ist.

Die Welt ist nicht so, wie es unsere Emotion als gerecht empfindet.
Natürlich gibt es physikalische Gesetze, die ein Gleichgewicht vorschreiben, so dass im Universum alles Negative mit gleichviel Positivem aufgewogen wird.
Wenn allerdings ein Mensch sein Bewusstsein auf das Negative fokussiert und begrenzt hat, so dass er immer nur Leid durch andere erfährt, die mit seiner Ausstrahlung in Resonanz gehen, dann findet dieser Ausgleich des Negativen nicht an dieser Person statt, sondern irgendwo sonst. Weder Gott noch ein physikalisches Gesetz entbindet uns von unserer Verantwortung für uns selbst.
Der Mensch selbst, der Negatives erlebt hat, muss sich anderem zuwenden, die negativen Emotionen von Leid loslassen, um auch Positives zu erleben. Diese Macht und dieses Recht hat jeder, inklusive dem Täter, der sich selbst jederzeit vergeben kann, um jedwede strafenähnliche Folge für sich abzuwenden.
Und wenn Ihr Euer Missfallen über diese Worte und diesen Umstand mal näher betrachtet, so werdet Ihr feststellen, dass Ihr dem Täter gegenüber missgünstig seid, Ihr gönnt ihm keine Vergebung - und das hält Euch in Euren persönlichen Opferrollen gefangen, da Ihr das Leid, das Ihr tragt, nicht loslasst, weil Ihr Euren Tätern Eure Vergebung nicht gönnt. ;)
Damit schadet man nur sich selbst.

@Nightshot
@mariasboy


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Ausgleichende Gerechtigkeit

12.06.2013 um 08:10
Rico schrieb:Gibt es Anhaltspunkte für die Anwendbarkeit dieser Theorie
es ist das prinzip von ursache und wirkung / aktion und reaktion - ein grundprinzip bzw. ein naturgesetzt auf das alles aufbaut.


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AnGSt
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Ausgleichende Gerechtigkeit

12.06.2013 um 10:42
@Rico

Was Recht und Unrecht ist, liegt im Ermessen des Menschen. Es gibt Kausalität in der Natur, die wird aber nicht die menschliche Gerechtigkeit ersetzen. Man kann daran glauben, dass einem 1:1 Konsequenzen auf natürlichem Weg widerfahren (manchmal auch 1:3 oder mehr). In machen Minds ist das wohlmöglich auch felsenfest verankert. Das könnte sogar spirituelle Dimensionen an nehmen. Ohne menschliche Gerechtigkeit würde man allerdings Leute steinigen, die Frevel tun, einfach nur aus Bock und zur Sicherheit. Ist das die Gerechtigkeit nach der hier gefragt wird?


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Ausgleichende Gerechtigkeit

12.06.2013 um 10:51
Die ausgleichende Gerechtigkeit ist nur ein Kompensator, damit schwächere bzw. unterlegegne sich einreden können, dass denjenigen, die denen was Böses angetan haben mal eine strafe dafür bekommen. Es gibt einen glauben und Kraft, zumdem kann man sich selber vor etwas abschrenken nach dem Motto "Mache mal lieber nicht, denn das kommt alles mal zurück"

Natürlich gibt es ein Gleichgewicht, was aber nicht bedeutet das es die Gerechtigkeit nach sich zieht.
Es gibt keinen erwiesenen Fall von ausgleichender Gerechtigkeit, dessen Zusammenhang zu 100% belegt werden kann. Wobei ich persönlich sagen muss, dass wenn ich gütig zeige, oft kurz dannach mir selber etwas großgütiges wiederfährt - fast wie eine Belohnung :D


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Keysibuna
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Ausgleichende Gerechtigkeit

12.06.2013 um 19:47
Ausgleichende Gerechtigkeit funktioniert nur durch moralische Angst: Ängste wenn man Strafe vor Verletzungen von Regeln und/oder Tabus erwartet.

Wir wachsen mit Ängsten auf, erste Angst (Verkust-Angst) haben wir bei Abwesenheit der sicherheitspendenden Person (meist die Mutter). Längere Abwesenheiten der vertrauten Person können wir erst dann ertragen, wenn wir ein inneres Bild dieser Person aufrechterhalten können.

Später dominiert die Angst davor, die Zuneigung der Eltern verlieren zu können. Diese Angst sorgt dafür dass wir die Forderungen der Eltern und die sozialen/religiösen Regeln verinnerlichen. Verstößt man gegen solche Regeln so entwickelt sich "Gewissensangst/moralische Angst".


Auch dieses Verhalten lässt sich sehr gut auf religiösen Glauben übertragen. Angst die Zuneigung des Gottes zu verlieren sorgt auch dafür, dass viele Menschen irgendwelche Forderungen/Regeln, die man anerzogen bekommt, verinnerlichen.

Und diese angebliche Ausgleichende Gerechtigkeit beruht auch auf Glaube, und deshalb werden Taten die man selbst als Unrecht empfindet (oder in diesem Glauben erzogen wurde) erwartetet man förmlich darauf für diesen "Regelverstoß" bestraft zu werden und manche führen es unbewusst selbst herbei damit sie endlich aus diesen "Schlechte Gewissen" loswerden können.


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Ausgleichende Gerechtigkeit

12.06.2013 um 21:09
Ich glaube nicht an die "ausgleichende Gerechtigkeit".

Für Gerechtigkeit muß man kämpfen... oder man läßt es und steckt den Kopf in den Sand und hofft auf eine glückliche Fügung.


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Kayla
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Ausgleichende Gerechtigkeit

12.06.2013 um 21:17
@Keysibuna
Keysibuna schrieb: lässt sich sehr gut auf religiösen Glauben übertragen. Angst die Zuneigung des Gottes zu verlieren sorgt auch dafür, dass viele Menschen irgendwelche Forderungen/Regeln, die man anerzogen bekommt, verinnerlichen.
Und weil so viele Gläubige sich davor fürchten von Gott nicht genug geliebt zu werden verhalten sie sich wie Kain und Abel und töten ihren Bruder, ihre Schwester, wenn auch nur geistig oder symbolisch, indem sie ohne zu hinterfragen Worte der Bibel falsch interpretieren und sich deshalb auch immer wieder über Jene erheben, welche diese Worte anders verstehen. Sie töten symbolisch den Christus indem sie zwar zur Ich-Liebe aber nicht zur echten Nächstenliebe fähig sind und diese oft genug nur heucheln, dabei aber vergessen, das ihr eigenes Gewissen und Unterbewusstsein alle ihre Gedanken, Gefühle und Emotionen aufzeichnen und sie sich dadurch ein Leben lang mit ihrem falschen Glauben belügen.


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Keysibuna
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Ausgleichende Gerechtigkeit

12.06.2013 um 21:22
@Kayla

Sehr schön beschrieben :)

Und diese Vorstellung wird uns von klein an anerzogen und viele trauen sich auch nicht das ganze zu hinterfragen, weil sie Angst haben die Zuneigung des Gottes zu verlieren. :}


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Kayla
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Ausgleichende Gerechtigkeit

12.06.2013 um 21:36
@Keysibuna
Keysibuna schrieb:Und diese Vorstellung wird uns von klein an anerzogen
Ja und das von Erwachsenen welche ihre eigenen Verlustängste nie aufgearbeitet haben und sie auf ihre Kindern und Schutzbefohlenen übertragen, was diese dann ebenfalls wieder an ihre Nachkommen weitergeben, wenn sie ihre negativen Verhaltensmuster nicht erkannt haben. Eine Welt voller Ängste und eine von Ängsten heimgesuchte Gesellschaft ist die Folge davon und so ganz schuldlos daran sind vor allem Glaubenssysteme des westlichen Monotheismus ja nicht, was sich zweifelsfrei nachweisen ließe. :)


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Keysibuna
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Ausgleichende Gerechtigkeit

12.06.2013 um 21:41
@Kayla
Kayla schrieb: Eine Welt voller Ängste und eine von Ängsten heimgesuchte Gesellschaft ist die Folge davon und so ganz schuldlos daran sind vor allem Glaubenssysteme des westlichen Monotheismus ja nicht, was sich zweifelsfrei nachweisen ließe. :)
Jop, man konnte diese Ängste sehr gut für sich arbeiten lassen, nicht umsonst haben sie sich selbst davor gefürchtet, das gemeine Volk lesen und Schreiben lernen könnte :}

Gut das sie es nicht länger verhindern konnten das man sich bilden kann ^.^


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Kayla
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Ausgleichende Gerechtigkeit

12.06.2013 um 21:47
@Keysibuna
Keysibuna schrieb:Gut das sie es nicht länger verhindern konnten das man sich bilden kann
Das Problem dabei ist nur, das Viele bildungsresisdent bleiben und lieber nur glauben, weil sie es eben so vermittelt bekommen haben und Bidlung sehr oft für ein Werk des Teufels halten, welcher ihnen durch Bildung und hinterfragen nur die Liebe Gottes stehlen will. Man lebt lieber weiter in "Absurdistan" und möchte nicht so gerne in die Realität umziehen.:)


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Keysibuna
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Ausgleichende Gerechtigkeit

12.06.2013 um 21:52
@Kayla

:D



"Absurdistan" = Paradies

"Realität" = Hölle ^.^

Denke das als Bildung reicht einigen völlig aus. Mehr Bildung würde Anstrengung bedeuten!

Und warum sich anstrengen wenn sich Menschen über alles Gedanken gemacht haben und "Antworten" für uns aufgeschrieben haben? :P:


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Kayla
ehemaliges Mitglied

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Ausgleichende Gerechtigkeit

12.06.2013 um 22:11
@Keysibuna
Keysibuna schrieb:Und warum sich anstrengen wenn sich Menschen über alles Gedanken gemacht haben und "Antworten" für uns aufgeschrieben haben?
Ja, da hast du recht, denken lassen ist eben einfacher als selbst zu denken.:)


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