continuum schrieb:Ja klar, aber wohlgemerkt ich sage nirgends vor 3 Millionen jahre betreffend Mensch.
Kannst Du mal erklären, was dieser Satz besagen soll?
continuum schrieb:Ich meine noch zu Wissen das du selbst mal irgendwo nahegelegt hast das der Mensch sogar in den letzten 250 000 jahren zu uns sich nicht viel entwickelt hat vom gehirn volumen nach neuster schätzung hätten die genau gleich intelligent sein müssen.
Ja, so ähnlich hab ichs gesagt. Aber was hat ein gleichbleibendes Gehirn, haben gleich hoch bleibende mentale Fähigkeiten jetzt mit kontinuierlicher Weiterentwicklung der Kulturstufen zu tun??? Denn genau das war stets meine Aussage, sooft ich das mit dem gleichbleibend komplexen Hirn angesprochen hab: daß diese Hirnentwicklungsstufe uns nicht nur den Sprung ins Jungpaläolithikum erlaubte, sondern leistungsfähig genug war für jegliche Weiterentwicklung der Kulturstufen bis heute. Und da bis heute die kontinuierliche Weiterentwicklung ungebremst verläuft (Innovationsverdopplungen, Zeiträume dafür verkürzen sich), ist die Leistungsfähigkeit unsres Hirns für die weiter steigende Komplexität der "Aufgaben" noch lange nicht an seine Grenzen gestoßen.
Da ich dies stets zusammen im Verbund ausgesagt habe, schockiert mich Dein Einwurf ("ich meine noch zu wissen..."') einfach nur.
continuum schrieb:Zur verdeutlichung habe ich extra noch geschrieben, wenn ein Mensch dazu mal seine erkentnisse auf ein art pergament schreiben könnte, dann wäre er mobil und könnte das auch seinen nachfahren immer weitergeben und diese das ergänzen, eigentlich leichter als so eine Pyramide zu bauen. Sollte man zuweilen denken.
Schrift wurde in den alten Hochkulturen, von Keilschrift bis zu den Quipus, nicht fürs Bewahren längerfristigen kulturellen Wissens entwickelt, sondern für das kurzfristige, sich ständig verändernde Verwaltungswissen (wer hat in dieser Saison bereits wie viel seiner Steuern bezahlt, und wie viel steht noch aus) Mann fing dann zwar auch irgendwann an (dauerte freilich noch ne ganze Weile), das kulturelle "Menschheitswissen" zu schreiben, doch noch lange nicht zum Archivieren. Archiviert wurden erst Annalen, also politische Ereignisse. Das erste Mal, daß "Weltwissen" schriftlich zwecks Archivierung / Bewahrung niedergeschrieben wurde, war die Bibliothek von Ninive, angelegt von Assurbanipal, einem der letzten assyrischen Könige, im späten 7.Jh. v.Chr. Ironischerweise ging diese Bibliothek rund 20 Jahre nasvh Assurbanipals Tod mit dem Untergang Assurs verschütt (wurde im 19.Jh. wiederentdeckt). Dennoch ging das Weltwissen nicht verloren.
Auf der anderen Seite half das Niederschreiben lange Zeit mitnichten gegen das Abändern des einmal Gewußten, wie man z. B. in Ägypten an der sich über 2 1/2 Jahrtausende ständig ändernde (schriftliche) Wiedergabe des Osirismythus sehen kann oder im mesopotamischen Raum an der Veränderung des Flutmythos vom sumerischen Atramchasis bis zum spätbabylonischen Gilgamesch. Auch die altmesopotamischen Königslisten incl. Herrscherdauer, wie sie später von Berossos & co. niedergeschrieben wurden - keine dieser Listen stimmt mit irgendner anderen überein!
Noch im 18.Jh., dem Zeitalter der (letzten) Universalgenies, konnte ein einzelner Mensch grob das gesamte Menschheitswissen erlernen, auch durch mündliche Vermittlung. Bis dahin war Schrift nur ein (wenn auch bedeutsamer) Weg unter mehreren, Wissen zu bewahren. Unverzichtbar war Schrift hingegen für Informationsweitergabe, die jetzt gerade vonnöten war, aber in einem oder hundert Jahren ohne Belang ist.
continuum schrieb:Interessant ist ob es versuche gab und wo und wie du schreibst, an was ist es gescheitert?
Wenns Dich interessiert, geh mal in ne Unibibliothek. Gefunden wurden solche Hinweise auf frühe kurzfristige Landwirtschaft in Südostasien-Indonesien.
continuum schrieb:Wenn diese an die wände gemalt werden ist es ortsabhängig und nicht als guter wegweiser für Wissen zu gebrauchen.
Was Du so denkst und was real ist, hat so ermüdend wenig miteinander zu tun. Was ist denn bittschön der Unterschied, ob Geschriebenes nen Ort dauerhaft nicht verläßt, a) weils nicht geht (anne Wand jekliert); oder b) weil mans so will, obwohls anders ginge (Präsenzbibliothek)?
Die berühmte Bibliothek von Alexandria, aber auch viele weitere Bibliotheken, Archive etc. funzten so. Das Wissen in Schriftform blieb an einem Ort, es waren die Menschen, die zu den Wissensorten reisten. Sie waren das mobile Element, welches das Wissen dann von X nach Y transportierte - und nur selten, weil sie Abschriften mitnahmen, zuallermeist nahm man das erlesene Wissen nur im Kopf mit. Ohne Buchdruck dauert das handschriftliche Kopieren eines "Buches" nämlich arschlang und kostet dann ab nem mittleren Jahreseinkommen aufwärts.
Selbst Plato erzählt in seinen Dialogen zur Atlantisgschicht, wie man damals Wissen von X nach Y brachte. Der Grieche Solon begibt sich ins ägyptische Sais, erzählt dort sein Wissen über die frühesten Erinnerungen der Menschheitsgeschichte und bekommt dann vom dortigen Priester sehr viel ältere Begebenheiten erzählt. Dieses Wissen nimmt Solon in seinem Kopf mit; er beabsichtigt, es in Versform zu bringen und dann niederzuschreiben. - Und der Clou ist: Die Story über Atlantis, die der Saite dem Athener aug griechisch erzählt, die soll im Tempel auf ägyptisch niedergeschrieben gewesen sein. Nicht in einem Buch, sondern an ner Tempelwand (oder Stele / Säule)!
Nee Du, Dein 'entweder ortsgebunden oder guter Wegweiser für Wissen' ist einfach nur unbedacht zusammenphantasiert.
Der Rest Deines Posts driftet nurnoch weiter ab, vom topic, vom Gesprächsfaden, aber auch von der Realität weg. Mal als Beispiel rausgepickt: Kein grandioser Untergang einer (antiken) Hochkultur / Zivilisation in der Menschheitsgeschichte warf die betreffende Bevölkerung gleich um mehrere Kulturstufen zurück, never! Auch wenn ein Einstein es so gesagt haben soll (wenns stimmt), daß nach einem dritten Weltkrieg der vierte mit Keulen geführt werden würde, so ist das "in die Steinzeit zurückfallen" nur ein plakativ berückender Irrtum. Wie man Schwarzpulver mixt, wußte auch zu Einsteins Zeiten praktisch jeder. Auch Sachen wie Wasserkraft, Windkraft, Dampfkraft (Wassermühle, Windmühle, Dampfmaschine) sind so allgemein bekannt, verstanden und mit einfachen Mitteln reproduzierbar, sodaß ein Rückfall weiter zurück als maximal die ausgehende vorindustrielle Kulturstufe
unmöglich ist!
continuum schrieb:Klar, zwischen präkeramischem Neolithikum und Ötzi liegen grosse technologische und gesellschaftliche Entwicklungen, das stelle ich nicht infrage.
Doch, haste getan!
continuum schrieb:waren diese Pfahlbauern vor 5000 jahren, wie weit weg von der Zivilisation von vor 10 000 jahren? Zeitmässig auch 5000 jahre, aber technisch das ähnliche niveau.
Nix große Entwicklung, sondern Niveau ähnlich beibehalten!
continuum schrieb:Mir geht es eher darum, dass auch dein Blick meist modern ist, nur für mich einfach andersherum: Du nimmst die archäologisch belegte Entwicklung als Masssstab für das Maximum damaliger Fähigkeiten aus meiner Sicht.
Und wo ist das jetzt eine kritische Anmerkung? Niemand, von dessen Kultur wir nur Faustkeile und Speere gefunden haben, wird als nächstes ein Smartphone entwickelt haben - entwickelt haben
können! Innovationen bauen nun mal stets auf voraufgegangenen technologischen Entwicklungen auf. Ohne Elektrizität, Computer und Mikrochips kein Smartphone.
Ja selbstverständlich kannst Du die Machbarkeiten, aber auch die Art der zu erwartenden baldigen Innovationen einer antiken Kultur nur über deren technologische Hinterlassenschaften ermitteln / erfassen. Das Hi-End unter den Artefakten limitiert dann die nächst-erwartbaren Innovationen.
So vorzugehen ist ein Arbeiten mit echten Fakten, ein Orientieren an passender Evidenz. Denn diese Fakten / Evidenzen, die technologischen Artefakte von Kultur XY, die stammen nun mal von jener Kultur. Mein Ansatz, herauszufinden, was eine Kultur kann, ist: die kulturellen Hinterlassenschaften ernstzunehmen. Ich beschreibe die Kultur über Sachen dieser Kultur. Du hingegen beziehst Dich dafür auf Deine eigene Kultur. Damit liest Du hinein statt heraus, erfapt sie nicht... So, wie EvDs "Astronautenbrille".
continuum schrieb:Aber Archäologie zeigt eigentlich nur, was erhalten ist, nicht die ganze damalige Bandbreite.
Wennich Faustkeile, Speerspitzen, Schaber und ne Ahle finde, alles aus Feuerstein, dann muß ich mir trotz der lückenhaften Fundsituation keine Rübe machen über Edelstahlskalpell, Plastikspielzeug und Röhrenradio. Du immer mit Deinem "nich ze hundat Proßents" in Variation - es nervt einfach nur und erlaubt nicht ansatzweise dasSchlupfloch, das Du so haltlos basteln willst.
continuum schrieb:Dein Viren/Bakterien-Vergleich passt, aber natürlich auch umgekehrt: Aus Unterschieden zwischen Funden lässt sich keine harte Obergrenze menschlicher Fähigkeiten soweit ich das einschätzen kann, ableiten.
Nirgends gings um ne Obergrenze menschlicher Fähigkeiten, sondern es ging um etwas, das man Obergrenze des für eine Kulturstufe Machbaren nennen könnte. Schriebst Du doch ausdrücklich:
continuum schrieb:waren diese Pfahlbauern vor 5000 jahren, wie weit weg von der Zivilisation von vor 10 000 jahren? Zeitmässig auch 5000 jahre, aber technisch das ähnliche niveau.
was ich dann zitierte und in meiner Entgegnung dann zum Vergleich von Viren und Bakterien sprach. Im Gegenteil hatte ich - Stichwort Rubikwürfel und Schießpulver - extra darauf hingewiesen, daß die physischen und mentalen Fähigkeiten der Menschen in Biedermeier wie Mittelpaläulithikum praktisch die selben waren, aber dennoch nicht jede Kulturstufe zu allem fähig war. Diesen Unterschied hatte ich schon klargestellt, tu jetzt also nicht so, als wöre es um das andere gegangen Wer Elektritität u.a.m. nicht kennt, kann keine Smartphones bsuen, obwohl Grips und Fingerfertigkeit dazu ausreichten. Wenn eine Kulturstufe mit Faustkeilen hantiert statt mit Mikrochips, kommt kein Smartphone zustande. und darum gings, was ne Kulturstufe hinbekommt; Frühneolithikum (10.000) oder Chalkolithikum (5000). Hör endlich auf mit diesem Ignorieren und mit dem Umlügen des Gesprächsverlaufs!
continuum schrieb:Übrigens mein Steinblock-Beispiel heisst nicht „dann müssen Pyramiden folgen“, sondern: Können, Wissen, Organisation und Umsetzung sind getrennt zu betrachten.
Warum auch immer Du mir das jetzt sagst...
continuum schrieb:Dein Schiesspulver/Rubik-Würfel zeigt doch gut: Das Fehlen einer Erfindung heisst noch lange nicht fehlende Fähigkeiten.
Das Fehlen von Innovationen eines bestimmten Levels ist sicher, sobald eine Kulturstufe von diesem Level noch weit entfernt ist. Genau das heißts!
continuum schrieb:Meine Frage ist nicht unbedingt nach einer verlorenen Hochkultur, sondern: Wie sicher können wir aus Funden die technische und organisatorische Obergrenze ableiten, sein?
Und diese Frage ist längst beantwortet. Du suchst nur noch nach Schlupflöchern (nicht zu 100% sicher - Fundlücken - menschliche Fertigkeiten reichen durchaus hin...), weil Du der Realität nicht ins Auge sehen willst.
continuum schrieb:Bei 10–25k Jahren haben wir nur einen kleinen zufälligen Ausschnitt.
Wenn eine antike Stadt ausgebuddelt wird, dann reicht ne Handvoll Artefakte, deren Kulturstufe sicher zu bestimmen - und um ausschließen zu können, was es da ganz gewiß noch nicht gegeben haben kann. Wo Du Obsidianklingen findest, könnte auch noch ein frühes Bronzeschwert schon zu finden sein, aber kein Damaszenerstahl.
continuum schrieb:aber „bestgestützt“ ist immer noch nicht „bewiesen“.
Leg mal ne andere Platte auf, mit dieser konntest Du noch nie punkten. Wissenschaft läuft nun mal nicht sauf "bewiesen" raus, ebensowenig, wie das Wörtchen "Wahrheit" was im Wissenschaftsbereich verloren hätte. Es reicht, daß eine bewährte Theorie irgendwann durch eine andere ersetzt, "vom Thron gestoßen" werden kann, jedoch nie merh "falsch" werden kann. Jede neuere Theorie muß sogar erklären, wieso die "abgeschaffte" als Grenzfall "richtig" bleibt.
continuum schrieb:Ein Modell oder eine Hypothese ist nicht automatisch wertlos, nur weil es dafür noch keinen direkten Beleg gibt.
Wohl aber dann, wenn sie schlicht Null an Fundierung liefert. Dann ist es nämlich keine Theorie, auch keine Hypothese, sondern blanke (blank = leer, also halt-los) Spekulation. Nichts "wert" also.
continuum schrieb:Sonst könnte man letztlich nur noch über Dinge sprechen, die ohnehin bereits nachgewiesen sind.
So oft Dir schon erklärt wurde, wie Wissenschaft funzt in all den Jahren hier auf Allmy - dennoch kommst Du wieder mit diesem ignoranten Unsinn.
continuum schrieb:Der interessante Teil ist doch gerade, ausgehend von dem, was wir wissen, auch naheliegende Möglichkeiten abzutasten
Da biste ganz GreWi wie EvD. Ums Abtasten (also was man auch Fundieren nennen könnte) scherst Du Dch nicht die Bohne; Du stellst nur Fragen und denkst, damit schon was erreicht zu haben. Könnte es nicht Hippelties aufm Mars geben und Schnampfen aufm Saturn? Kann man ja nicht zu hindert Pro ausschließen, also isses ne gleichwertig zu berücksichtigende Tehorieh.
An dieser Stelle brech ich es ab. Echt nur noch Taubenschach und Trollfütterung...