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Als Mann nicht männlich sein wollen

51 Beiträge, Schlüsselwörter: Psyche, Mann, Männlichkeit, Verstimmung

Als Mann nicht männlich sein wollen

04.09.2018 um 10:47
Ich habe im Laufe meines nun schon länger währenden Lebens den Eindruck gewonnen, dass es sich mit dem Klischeebild von "typisch männlich/weiblich" und der Verachtung von und dem Hass auf Menschen, die diesem traditionalistischen Schema nicht entsprechen, in den letzten fünfzig Jahren doch gebessert hat. Zumindest in den Kreisen, in denen ich verkehre.
"Ein deutscher Junge weint nicht!" - dieses HJ-Männlichkeitsbild ist zumindest in Pädagogenkreisen, im Gegensatz zu meiner eigenen Kindheit und Jugend, schon ziemlich ausgestorben.


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Als Mann nicht männlich sein wollen

04.09.2018 um 11:09
@effy85


Hallo Effy,

ich bin etwa in deinem Alter und kann mich in deiner Beschreibung ganz gut wieder finden. Allerdings bin ich homosexuell. Als Kind habe ich immer gedacht ich wolle ein Mädchen sein. Es gibt Menschen, die wissen von klein auf, dass sie tans* sind, aber ich habe als junger Erwachsener endgültig fest gestellt, dass das bei mir nicht der Fall ist. Ich empfinde meinen Körper nicht als falsch, das männliche Pronomen irritiert mich nicht und ich habe männliche Rollenbilder, die mich inspirieren.

Dass meine Identität, mein Männlichkeitskonzept nicht zwangsläufig dazu führen muss ,meinen Körper zu verändern, um als Frau meine Identität leben zu können, habe ich tatsächlich im Umgang mit Trans*menschen gelernt. Der Leidensdruck da ein ganz anderer als bei mir. Ich wurde einfach mein ganzes Leben lang dafür diskriminiert, dass ich nicht genug männliche Attribute erfülle.

Die Homosexualität wurde mir sehr früh zugeschrieben, noch bevor ich überhaupt in der Pubertät war und tatsächlich sehe ich die aber eher in untergeordnete Rolle, was meine Erfahrungen angeht. Weil nie jemand wirklich rückgefragt hat, ob ich homosexuell bin, bevor er mich diskriminierte und demütigte, sondern das die Kategorie "untergeordnete Männlichkeit" war, in die ich einfach gepackt wurde.

ich glaube tatsächlich der größte Konflikt, den ich bis heute habe ist, wenn Menschen von mir erwarten, dass ich mich wie ein "Mann" verhalte im Wechselspiel der Geschlechter. Also wenn ich z.B. mit einer Freundin unterwegs bin und die einen Koffer dabei hat und andere Leute Sprüche machen, weil ich den nicht trage, obwohl sie genauso viel Kraft hat wie ich. Oder wenn ich mit Freundinnen im Restaurant bin und die Bedienung mir ohne Nachzufragen den Wein zur Verköstigung einschenkt und ich diesen Tanz vorführen soll; schnuppern, kosten, abnicken.

Ich kann gar nicht sagen, warum mich diese Kleinigkeiten mehr stören, als Beschimpfungen von Fremden... vielleicht weil ich mich dann auf mein Geschlecht beschränkt fühle? Wenn mir der Problet "Schwuchtel" o.ä. hinterherruft (und das kommt öfter vor, als die meisten denken), dann beleidigt er mich ja für etwas, was ich wirklich bin. Er sieht meinen Gang, hört vielleicht wie ich spreche und beschreibt mich abwertend mit diesem Wort und lässt mich wissen, dass er mich als untergeordnete Männlichkeit wahr nimmt. Irgendwie kann ich damit umgehen, obgleich es mich natürlich stört- aber es verletzt mich schon lange nicht mehr.

Wenn aber Menschen in alltäglichen Situationen mir die klassische Männerrolle zuschreiben, mit den entsprechenden Erwartungen (Stärke, Souveränität, Mut zur Entscheidung etc...) dann setzt mich das unter Druck, so wie damals in der Schule, als alle Jungen Fußball mochten und ich es hasste und allein das Aggressionen auf mich gezogen hat.

Darf ich fragen in was für einem Umfeld du lebst? Also wo im deutschsprachigen Raum und eher urban oder ländlich?


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Als Mann nicht männlich sein wollen

04.09.2018 um 12:47
@effy85
Wie weiblich oder unmännlich (nicht wertend gemeint) gibst du dich denn? Wenn ich das überlesen habe, entschuldige ich mich.


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Als Mann nicht männlich sein wollen

04.09.2018 um 13:08
Was zeichnet denn einen Jungen/Mann aus, was ein Mädchen/eine Frau?
Welche Eigenschaften sollen dies sein - und gelten sie für alle Menschen gleichermassen?
Sind alle Männer gleich? Sind alle Frauen gleich? Sollten sie alle "einheitlich" sein?
Was für eine Gesellschaft wäre das? Eine, in der man/frau leben möchte?

In der Erziehung sehe ich die Möglichkeit, diesen uralten Rollenklischees entgegen zu steuern. Meine älteste Tochter bekam von mir Autos und eine Modelleisenbahn. Das hatte sie sich gewünscht und das fand sie toll. Ist sie Rennfahrerin oder Lokomotivführerin geworden? Nö, Ärztin.

Mein Sohn hat schon als Kita-Kind Verkleiden und Theater spielen geliebt, früh viel gelesen, gemalt und geschrieben. Theater spielt er heute noch, ab und an, weil's die Regie so vorschreibt, Mädchenrollen. "Ihr Sohn ist das hübscheste Mädchen in der Theatergruppe", kommentierte die Regisseurin. Heute ist er in der Medienbranche tätig.


Meine jüngste Tochter war von Anfang an ein Bewegungskind. Sport geht ihr über alles: Fussball, Reiten, Schwimmen, Schiessen, Karate, Judo - das ganze Programm. Sie hat schon Jungs vermöbelt - aber entwickelt schräge Modekombinationen. Die wird entweder Söldnerin oder Modeschöpferin.

Man soll Kindern die Möglichkeit geben, ihre Talente zu entdecken und muss diese fördern - egal, ob sie nun in Rollenklischees passen oder nicht.

Warum muss die Frau immer ein paar Schritte hinter ihrem Mann gehen?
Weil sie die schweren Einkaufstüten schleppen muss.

Ich glaube, jeder schafft sich seinen Lebensstil selbst, und der ist durchaus wandelbar. Ich hätte mir als Teen auch nicht vorstellen können, Babies zu wickeln, zu füttern, herum zu tragen, von Dingen wie Hausarbeit ohnehin vollkommen abgesehen.

Bei uns in der Familie gehen Rollenklischees ohnehin baden. Ich kann besser kochen als meine Liebste, dafür lasse ich sie gern mit der Kettensäge Bäume fällen, weil mich der Krach nervt. Geht es darum, tote Schafe abzuschleppen, dann bin wieder ich gefordert, dafür kann sie waghalsiger Auto fahren, aber besser einparken als ich. Unsere Jüngste spielt Fussball, ist im Schützenverein und macht Karate, während Sohnemann lieber liest, Musik hört und Comics zeichnet.

Nein, ich glaube nicht, dass sich die Rollenmuster biologisch begründen lassen. Das ist antrainiert.

Vor einiger Zeit las ich in einer US-Luftfahrtzeitschrift, dass die US-Navy-Pilotinnen ihre Maschinen pfleglicher behandeln und weniger Lande-Schäden an den Miiionen-Vögeln verursachen als Männer und darum überlegt wird, auf den Flugzeugträgern mehr Pilotinnen zu stationieren.

Vor einem guten Jahrhundert hat man noch geglaubt, Frauen könnten überhaupt nicht fliegen, weil sie mit der Technik und der Orientierung überfordert wären.


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Als Mann nicht männlich sein wollen

04.09.2018 um 13:19
@Doors
Doors schrieb:Vor einiger Zeit las ich in einer US-Luftfahrtzeitschrift, dass die US-Navy-Pilotinnen ihre Maschinen pfleglicher behandeln und weniger Lande-Schäden an den Miiionen-Vögeln verursachen als Männer und darum überlegt wird, auf den Flugzeugträgern mehr Pilotinnen zu stationieren.
Fällt mir schwer das zu glauben, wenn ich mir anschaue, wie die meisten Frauen, die ich kenne alleine schon mit ihrem Auto umgehen :-)


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Als Mann nicht männlich sein wollen

04.09.2018 um 13:25
@crossfyre

Meine Frau kann eindeutig todesmutiger Auto fahren als ich. Und ihre Freundin erst. Da lernt der hartgesottene Ungläubige das Beten!


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Als Mann nicht männlich sein wollen

04.09.2018 um 13:44
@Doors

Das meine ich ja zum Teil.

Schlagloch, Bordstein, Temposchwelle etc. ... egal, voll drüber.
Luftdruck, Öl, Wasser ... solange es fährt wird's passen.
Scheibenwischer ... sind doch noch keine 4 Jahre alt.
Waschen und Putzen ... warum?

Kriege immer schon so ein wenig die Krise und Mitgefühl für die armen Autos :-)).


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Als Mann nicht männlich sein wollen

04.09.2018 um 13:46
@crossfyre

Ich behandle mein Auto nicht besser. Und es hält schon 16 Jahre.


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Als Mann nicht männlich sein wollen

04.09.2018 um 14:21
@effy85

Warum lässt du dich so davon beeinflussen ?

Für mich besteht männlich und weiblich überhaupt nicht.
Es zählt wie du bist und wie du dich fühlst.

Deine Hülle kannst du zwar anpassen, aber niemals völlig verändern, da man niche vor sich selbst wegrennen kann. (wenn man es jedoch tut , dann hat man am Ende sowieso den grösseren Schaden davon...)

Ausserdem waren früher Röcke ziemlich normal bei Kleinen Jungen.
Damit beabsichtige ich zu sagen, dass sich Dinge ständig ändern.
Manche Männer sind auch überzeugt dass Make-up männlich iz.


Ausserdem...es gibt keinen Schiedsrichter der dir genau Sagan kann wo die Grenze der zwei Geschlechter iz.

Und sowieso...wieso sollte man sich auf etwas beschränken, went man such ausbreiten kann?


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Als Mann nicht männlich sein wollen

04.09.2018 um 20:14
@effy85
Gibt eh kein männlich/weiblich an sich, es gab oder gibt nur bestimmte Rollen die vor allem früher geschlechterspezifisch waren und Leute daher prägten und desweiteren gibt es noch Hormone und co die im Allgemeinen dazu führen dass mehr Männer als Frauen (und umgedreht) etwas bestimmtes tun, mögen usw. aber Betonung liegt halt auf "mehr als", es sind halt nur bestimmte Prozente.
Bin biologisch auch weiblich aber nahm mich charakterlich nie als sowas wahr, an der Sprache merkt mans nicht, an den Hobbies auch nicht, Verhalten auch nicht, an sich bleibt da nichts mehr übrig, wüsste jetzt spontan nichts was typisch weiblich wäre, vielleicht dass ich zeichnen kann? Sowas wird ja eher mit Frauen assoziiert, auch wenn die meisten bekannten Künstler männlich waren, also was weiß ich - was ich sagen will ist dass es immer genug Leute gibt die dem Schema rein gar nicht entsprechen und es heute sowieso nichs krass Außergewöhnliches mehr ist, also ists echt egal.
Sei einfach wie du sein willst, verstellen versaut einem nur das Leben.

Stimme dir auch zu was die fehlender Lockerheit der Gesellschaft angeht die du im EP erwähnt hast. Find auch dass einerseits alle ernster und spießiger wurden aber gleichzeitig irgendwie alles oberflächlicher.


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Als Mann nicht männlich sein wollen

14.09.2018 um 17:36
Sixtus66 schrieb am 04.09.2018:Gibt eh kein männlich/weiblich
Das ist genau meine Meinung!

Jeder soll sich genau so zeigen können, wie er/sie ist.

Ich mag zB Männer die häuslich sind (weil ich es nicht bin), Kinder groß ziehen, gut und gerne kochen und mir die finanziellen Angelegenheiten überlassen.


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