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Demenzerkrankung: Erfahrungen?

260 Beiträge ▪ Schlüsselwörter: Demenz ▪ Abonnieren: Feed E-Mail

Demenzerkrankung: Erfahrungen?

16.03.2023 um 07:55
Zitat von EnyaVanBranEnyaVanBran schrieb:Die Oma meines Mannes eben auch. Mir kam das fast so vor, als hätte man sich dort einmal ein Bild von ihrem Zustand gemacht, ob ein Heimplatz wirklich gerechtfertigt ist. Kann aber gut sein, dass das nur ein Eindruck meinerseits war.
Kurzzeitpflege beinhalten ja auch ärztliche Untersuchungen, was den Grad der Demenz betrifft. Mit Einverständnis der Angehörigen wird dann ein Pflegeplatz gesucht.
Ob der Demenzkranke da noch Mitspracherecht hat, entzieht sich meiner Kenntnis.
Der Opa meines Schwiegersohnes absolvierte mehrere Heime, bevor er das fand, was ihm zusagte auf Grund der Bemühungen seiner Angehörigen.


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Demenzerkrankung: Erfahrungen?

19.03.2023 um 19:58
Mein Opa hatte bis zu seinem 94. Geburtstag ein wirklich gutes Leben geführt. Leider hat sich dann seine Gesundheit in Richtung einer Demenz entwickelt.

Der einzige Vorfall der ihm kurz vor der Demenz viel Stress gemacht hat, was ein furchtbarer Mieter der nie gezahlt hatte und weil er jetzt aus der Wohnung geworfen werden sollte hat Nachts mehrmals geklingelt und ans Fenster geklopft hat. Das hat ihm den Schlaf geraubt eine Zeit lang.

2016- Der Opa der immer gerne lange Geschichten erzählt hat, verwendet immer weniger Sätze. Manche Fakten wusste er nicht mehr und hat sie gekonnt mit einem Witz überspielt. Auto fahren wurde schlechter, ist öfters an die Kante des Bordsteins gefahren. Da wussten wir noch nichts von einer Demenz.

2017- Er hat nicht mehr richtig verstanden, das seine Frau nicht immer zur abgemachten Zeit nach Hause kommt, die auf einem Zettel steht. Dann haben wir ihn ausgetrickst und spätere Uhrzeiten auf einen Zettel geschrieben, was ihn beruhigt hat. Besuch beim Arzt bestätigte das er Demenz hat.

2018- Er musste ins Altersheim weil er zum Fall für den Rollstuhl wurde und meine Oma das alleine nicht handhaben konnte.

2019- Elsaaaaaa (Spitzname der Frau die er seit 1940 kennt.). Die hat er wirklich nie vergessen. Alle anderen aber schon. Da war er noch kräftig, konnte noch selber sein Messer und Gabel benutzen.

2020-2021 Opa wird ein kompletter Pflegefall in allen Bereichen. An Corona erkrankt, aber überlebt. Wir haben ihn über Videoschalten gesehen, er hat leider nichts mehr verstanden. Die Hände hat er sich auch verletzt, weil er gegen das Bett geschlagen hat.

2022- Abgemagert bis auf die Knochen hat er seinen 100. Geburtstag gefeiert. Beine haben nur noch im Rollstuhl geklappert. Konnte schlecht sehen. Beim letzten Besuch seiner Frau etwas was es schon jahrelang nicht mehr gab. Ein letztes Elsaaaaa gib (Kussgeräusche). Damit hat meine Oma überhaupt nicht gerechnet und es gab einen letzten Kuss. Er starb 5 Tage später im Schlaf.


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Demenzerkrankung: Erfahrungen?

20.03.2023 um 21:22

Berufsbedingt habe ich passiv mit demenzerkrankten Menschen zu tun. Dieses Krankheit ist ja sehr breit gefächert. So habe ich das Gefühl, dass einige Leute damit trotzdem noch sehr zufrieden und glücklich ihr Leben - wenn auch eingeschränkt - führen können. Es gibt häufig auch die "klaren Momente", in denen man sich mit den Dementen richtig gut unterhalten kann und sie am Gespräch sichtlich Spaß haben. Und als jemand, der mit solchen Menschen täglich zu tun hat, sieht man aber leider ebenso, wie es von einen Tag auf den anderen anders sein kein. So ist eine an Demenz erkrankte Person am Morgen gut drauf, am Nachmittag oder am nächsten Tag kann sie schon ganz andere Charaktere haben. Aggressivität, Lustlosigkeit sind es dann meistens. Als Angehöriger sollte man auf jeden Fall wissen, dass es diese Stimmungsschwankungen gibt und man sollte damit umgehen können, das heißt, nicht enttäuscht sein, wenn die Demenz mal wieder stärker im Vordergrund rückt und man eventuell nicht als Familie erkannt wird. Wenn man damit umgehen kann, finde ich aber, dass man trotzdem noch viele schöne Momente miteinander erleben kann und das auch sollte.

Meine Großmutter erkrankte nach einem Infarkt an leichte Demenz, vermischte Namen der Familie, erkannte teilweise ihre Leute nicht mehr. Das war anfangs eine komische und traurige Situation. Aber man lernte halt irgendwie damit umzugehen - so gut wie es ging.




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Demenzerkrankung: Erfahrungen?

20.03.2023 um 22:08
Zitat von RSarauRSarau schrieb:trotzdem noch sehr zufrieden und glücklich ihr Leben - wenn auch eingeschrä
Neulich habe ich einen Satz gehört, der passt ganz gut.
Das Herz wird nicht dement.

Kann ich nur unterschreiben.
Der Übergang ist für viele grausam, wenn man selber merkt, dass man nicht mehr auf die Gehirnfunktionen zugreifen kann.
Aber danm sind sehr viele Demenzerkrankte recht glücklich und humorvoll.
Kommt natürlich schon auch auf den Allgemeinzustand an.


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Demenzerkrankung: Erfahrungen?

21.03.2023 um 09:15
Zitat von BundeskanzleriBundeskanzleri schrieb:Neulich habe ich einen Satz gehört, der passt ganz gut.
Das Herz wird nicht dement.
Das ist ein Buch. Kann ich jedem nur empfehlen.

csm 9783407865847 2626443de2


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Demenzerkrankung: Erfahrungen?

21.03.2023 um 09:17
@Shiloh

Ah, dann ist mir auch klar, woher ich das habe :D

Ich dachte, das hätte irgendein Promi von sich gegeben.


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Demenzerkrankung: Erfahrungen?

21.03.2023 um 09:24
@Bundeskanzleri
Ich habe das Buch gelesen. Es trifft das Thema auf den Punkt.
Ich bin froh, dass wir meinen Vater wieder nach Hause geholt und ihn nicht im Pflegeheim gelassen haben.
Es war sein innigster Wunsch und die richtige Entscheidung aus dem Herzen.


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Demenzerkrankung: Erfahrungen?

21.03.2023 um 09:28
@Shiloh


Ich bin bei ratgebenden Büchern immer skeptisch.
Ganz oft sind da ein paar Gedanken in epischer Breite ausgeführt.

Hat es dir geholfen?
Ich wette, dein eigenes Herz hat dir auch ohne das Buch den richtigen Weg gewiesen, oder?
Du kanntest deinen Vater doch am besten.


Aber ich will auch das Buch nicht schlecht machen.


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Demenzerkrankung: Erfahrungen?

21.03.2023 um 09:33
@Bundeskanzleri
Das Buch habe ich erst später gelesen.
Ich brauchte es nicht mehr als Ratgeber.

Es hat mich aber in meinem/unserem Handeln voll und ganz bestätigt.
Aus meiner Erfahrung trifft es das Thema sehr einfühlsam auf den Punkt.
Dazu braucht es keine epischen Gedanken.


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Demenzerkrankung: Erfahrungen?

21.03.2023 um 14:35
Hallo nochmal :)

Meine Oma ist jetzt erstmal zur Kurzzeitpflege, damit wir hier alle mal zur Ruhe kommen.
Meine Mutter ist nervlich am Ende. Die letzten Tage hat sich meine Oma mehrmals in ihrem Schlafzimmer eingeschlossen (weil man ihr alles wegnimmt) und vor allem meine Mutter und neuerdings auch den Pflegedienst immer wieder bezichtigt geklaut und sie physisch zu misshandeln und das in einer Dauerschleife, Tag und Nacht.

Allerdings krakeelt meine Oma nun im Pflegeheim wohl weiter, dass meine Mutter Zitat : Das letzte Aas ist"

Sitzt wohl die meiste Zeit auf dem Flur und sagt immer wieder, dass sie morgen nach Hause geht und meine Mutter dann rauswirft, noch fit ist und alleine klar kommt.
Das kann sie halt nicht mehr einschätzen, aufgrund ihrer Krankheit.
Aber ich denke, für Pflegekräfte ist das ja nicht so ungewöhnlich.


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Demenzerkrankung: Erfahrungen?

24.03.2026 um 12:34
Vielleicht kann mir jemand Tippa geben ob ich etwas unternehmen aoll oder es normal ist...

Meine Mutter 73 erzählt mir des öffteren die gleichen Dinge mehrmals.
Wir telefonieren und treffen uns regelmäßig..Haben ein gutes Verhältnis.
Zb. vor 3 Tagen hat sie mir etwas erzählt über einen Bekannten.
Heute erzählt sie mir die komplette Geschichte nocheinmal, als ob sie es noch nicht erzählt hätte.
Das ist jetzt schon ein paar mal passiert. Habe sie bis jetzt nicht darauf angesprochen, aber da es gehäuft vorkommt ist es mir aufgefallen.

Sie fährt Auto und ist sonst gut organisiert.

Ist das ab 70+ vielleicht normal?


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Demenzerkrankung: Erfahrungen?

24.03.2026 um 12:41
Zitat von SommerwieseSommerwiese schrieb:Vielleicht kann mir jemand Tippa geben ob ich etwas unternehmen aoll oder es normal ist...

Meine Mutter 73 erzählt mir des öffteren die gleichen Dinge mehrmals.
Wir telefonieren und treffen uns regelmäßig..Haben ein gutes Verhältnis.
Zb. vor 3 Tagen hat sie mir etwas erzählt über einen Bekannten.
Heute erzählt sie mir die komplette Geschichte nocheinmal, als ob sie es noch nicht erzählt hätte.
Das ist jetzt schon ein paar mal passiert. Habe sie bis jetzt nicht darauf angesprochen, aber da es gehäuft vorkommt ist es mir aufgefallen.

Sie fährt Auto und ist sonst gut organisiert.

Ist das ab 70+ vielleicht normal?
Kann es vielleicht sein, dass deine Mutter viele soziale Kontakte hat und die Geschichte somit mehreren erzählt hat?
Dann hat sie es vielleicht einfach nur nicht mehr auf dem Schirm gehabt, dass sie dir da auch schon von berichtet hat!
Ich denke, ich würde sie ansonsten schon mal drauf ansprechen.

Meine Mutter ist 70. Da kommt es höchstens mal vor: "Ach, das hatte ich dir schon erzählt oder?"
Aber das geht mir mit Mitte 40 ja nicht anders.


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Demenzerkrankung: Erfahrungen?

24.03.2026 um 21:04
Zitat von SommerwieseSommerwiese schrieb:ob ich etwas unternehmen aoll oder es normal ist...
Ganz und gar 'normal' und unauffällig ist es nicht - klingt jetzt aber auch nicht besonders schlimm.

Die erste Anlaufstelle ist der Hausarzt, der kann schon einen kleinen Katalog mit Fragen /Aufgaben durchgehen (dauert nur ein paar Minuten) und dann hat man zumindest einen Anhaltspunkt.

Lasst es abklären - Deine Mutter braucht dann auch keine Angst zu haben, dass der Führerschein weg ist oder so (das kommt dann darauf an, wie weit die Demenz schon fortgeschritten ist und Reaktions- und Orientierungsfähigkeit beeinträchtigt sind - bei Deiner Mutter klingt das aber noch gar nicht so).


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Demenzerkrankung: Erfahrungen?

24.03.2026 um 21:11
@Sommerwiese
Noch ganz wichtig: Macht den Papierkram: also Vorsorgevollmacht (die Bank hat eine eigene!) und Patientenverfügung!
Ggf. Untervollmachten etc.


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Demenzerkrankung: Erfahrungen?

29.03.2026 um 00:36
@Sommerwiese
Das was du beschreibst ist normal. Das machen viele ältere Leute. Sie erleben nicht so viel und wenn sie solche Geschichten auf Lager haben, möchten sie die natürlich auskosten und gern erzählen. Am liebsten jedem.
Meine Tante ist 90 und ist vollkommen klar im Kopf. Sie macht das schon seit immer. Dieselben Geschichten immer wieder. Es ist auch eine Methode um das Gegenüber bei Laune zu halten und am Gehen zu hindern.


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Demenzerkrankung: Erfahrungen?

09.04.2026 um 03:12
Zitat von MondrianaMondriana schrieb am 06.01.2010:Ich wüßte gerne, ob andere hier auch Erfahrungen mit dieser, ich finde teuflischen Krankheit gemacht haben und wie sie damit und natürlich mit dem Menschen umgegangen sind.
Der Thread ist schon alt, aber vielleicht liest es trotzdem jemand.

Meine Schwiegermutter ist vor kurzem verstorben. Ich habe sechs Jahre lang ihr Leben organisiert, seit sie 2020 merklich an Demenz erkrankt ist.

Vermutlich war sie es schon davor, nur hatten wir kaum Kontakt. Ich bin Österreicherin, mein Mann Deutscher und er ist zu mir gezogen. Seitdem bestand wenig Kontakt zu seiner Familie, weil diese einfach zu weit weg lebt. Die Anreise dauert 8 Stunden, da fährt man nicht schnell übers Wochenende hin. Somit blieb es bei Besuchen im Urlaub und das ist nunmal dann nicht öfter als zweimal im Jahr. Urlaub nehme ich geblockt, einmal 2 und einmal 3 Wochen, mehr Jahresurlaub habe ich nicht. In meiner Branche gibt es auch keine freien Wochenenden oder Feiertage.

2020 fiel mir dann bei einem Telefonat mit meiner Schwiegermutter auf, dass ihre Antworten nicht zum Gesprächsverlauf passen. Ich war gerade bei meiner Mutter und wir telefonierten zusammen mit ihr über Lautsprecher. Meine Mutter und ich sehen einander nur stumm an und wussten Bescheid. Meine Omi war an Demenz erkrankt und meine Mutter pflegte sie, daher erkannten wir die Zeichen.

Ich sprach mit meinem Mann und wir kamen überein, dass ich mich um seine Mutter kümmern würde. Ich bin besser im Organisieren und arbeite Teilzeit, er nicht. Sein Bruder wohnt zwar näher dran, ist aber selbst pflegebedürftig und fiel daher aus. Die Schwägerin hat schon genug damit zu tun, sich um ihn zu kümmern.

Also besuchte ich meine Schwiegermutter und schlug ihr eine Vorsorgevollmacht vor. Es war wichtig, das zu erledigen, bevor die Demenz offiziell diagnostiziert wird, denn die Diagnose macht sie ja geschäftsunfähig, ergo kann sie auch keine Vollmachten mehr erteilen. Zum Glück stimmte sie dem Vorschlag zu und ich erhielt eine Generalvollmacht. Wir mussten auch zur Bank und ich ließ die Vollmacht auch registrieren und legte sie allen Ärzten und Behörden vor.

Dann begann der Diagnoseprozess. Das alleine war schon langwierig und mühsam, in Deutschland ist so vieles anders als in Österreich. Beispielsweise bekam ich selten Befunde direkt in die Hand, sondern die gingen an den Hausarzt und ich musste sie dort holen, was einen zusätzlichen Weg bedeutete. Anfangs musste ich jede zweite Woche meine Dienste so tauschen, dass ich drei Tage hintereinander frei habe, und zwar unter der Woche: zwei für die Hin- und Rückreise und einen vollen Tag für Arzt- und Behördenwege. Und das alles während der Covid-Pandemie. Das war echt kein Spaß.

Mittlerweile benötigte sie im Alltag Unterstützung. Erst reichte ein ambulanter Pflegedienst, der dreimal pro Woche nach ihr schaute und einkaufte, kochte, Haushalt machte. Musste sie selbst bezahlen, da sie zunächst nur Pflegegrad 1 zuerkannt bekam und Widerspruch nötig war, damit sie neu eingestuft wurde. Zum Glück war damals noch Geld vorhanden.

Das war aber schnell aufgebraucht, sobald sie ab 2021 nicht mehr alleine zurechtkam und eine 24-Stunden-Pflege benötigte. Sie lebte schon lange von meinem Schwiegervater getrennt, sie waren aber nicht geschieden. Schwerer Fehler, denn sobald die Pflege richtig teuer wurde, reichte er die Scheidung ein und sie verlor die Hälfte ihrer Ersparnisse. Hätte sie sich gleich bei der Trennung scheiden lassen, wäre sie günstiger davongekommen, da sie erst ab diesem Zeitpunkt für sich selbst vorzusorgen begann.

Es dauerte eine Weile, bis wir die richtigen Pflegekräfte für meine Schwiegermutter fanden. Die Agentur schickt ja immer wieder andere und das ist bei Demenz nicht hilfreich. Es fanden sich dann aber zwei Frauen, die immer abwechselnd kamen und mit meiner Schwiegermutter wirklich liebevoll und toll umgingen. So konnte sie dann sehr lange zu Hause bleiben und erst, als das ihr Gesundheitszustand nicht mehr zuließ, kam sie erst ins Krankenhaus, dann ins Pflegeheim. Vor kurzem erkrankte sie dann an einer Lungenentzündung und verstarb auch daran.

Es war eine anstrengende und schwierige Zeit, aber für mich auch bereichernd. Ich habe meine Schwiegermutter besser kennenzulernen können und zu ihr eine Beziehung aufgebaut, die ich vor ihrer Erkrankung nicht hatte und wahrscheinlich sonst auch nie gehabt hätte. Es lag an der räumlichen Distanz, ich mochte sie immer schon, aber wir hatten kaum Berührungspunkte.

Am Anfang ihrer Erkrankung konnten wir uns ja noch unterhalten, da ist sie mit viel erzählt über ihre Kindheit, ihr Leben, ihre Ehe... Am Ende hat sie mich nicht mehr erkennt. Das habe ich aber nicht persönlich genommen.

Es gab Situationen, in denen sie mir verletzende Dinge vorwarf, die nicht stimmten. Zum Beispiel fragte sie mich, wieso ich zwei Männer brauche und wieso ich neben meinem Mann auch noch ihren Sohn da mit hineinziehen muss in mein Schlamassel. Ich habe ihr dann erklärt, dass ich nur einen Mann habe und zwar ihren Sohn. Das klappte aber nicht, denn der Mann an meiner Seite war viel älter als ihr Sohn in ihrem Kopf. In ihrem Kopf war ihr Sohn ein Kind oder Teenager und drum war sie so empört, weil eine ältere Frau wie ich sich an ihren Sohn heranmacht.

Sie erzählte das auch so herum und für Außenstehende war ihre Demenzkrankung zu diesem Zeitpunkt noch nicht erkennbar und die haben das wahrscheinlich alles geglaubt. Das war mir unangenehm. Ich wusste aber, dass meine Schwiegermutter nicht aus Boshaftigkeit tut, sondern es wirklich glaubt.

Oder sie warf mit vor und erzählte anderen, ich hätte ihr Geld gestohlen. Sowas bleibt ja auch leicht hängen bei anderen, auch wenn es nicht stimmt. Ich konnte zwar alle Kontobewegungen belegen, aber sie meinte ja, sie habe 10000 Euro in der Wohnung gehabt und ich hätte diese genommen und sowas lässt sich halt schwer widerlegen. Bis heute habe ich keine 10.000 Euro gefunden, ich nehme also am, die existierten gar nicht.

Ansonsten kam ich im Allgemeinen gut mit meiner Schwiegermutter zurecht und sie war auch immer kooperativ und nie aggressiv. Es gab keine Beschimpfungen oder Schläge, sie schmierte auch keine Exkremente an Wände, so wie es manche demenzkranke Menschen tun. So gesehen hatte ich wohl Glück.

Jetzt müssen wir noch die Beisetzung organisieren, die Wohnung auflösen und den Nachlass regeln.

Es ist schon seltsam, wenn nach 6 Jahren sich plötzlich alles ändert und man sein Leben wieder neu gestalten muss. Ich vermisse meine Schwiegermutter auch und ich bin traurig, dass sie verstorben ist. Es ist mir ein Trost, dass sie sehr friedlich aussah.


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Demenzerkrankung: Erfahrungen?

09.04.2026 um 03:34
Zitat von AgathaChristoAgathaChristo schrieb am 16.03.2023:Ob der Demenzkranke da noch Mitspracherecht hat, entzieht sich meiner Kenntnis.
Ja, das haben sie. Sogar wenn es einen Erwachsenenvertreter gibt, besagt das Gesetz, dass die Wünsche der betreuten Person berücksichtigt werden müssen.

Nur wenn sich eine Person selbst oder andere gefährdet, kann man über das Betreuungsgericht einen Unterbringungsbeschluss erwirken.

Da wird vom Gericht dann ein psychisches Gutachten angefordert und danach entschieden. Gab es bei meiner Schwiegermutter, weil sie eine Weglauftendenz hatte und in der Nacht auf der Straße herumirrend von der Polizei aufgegriffen wurde. Einmal kam sie sogar ins Krankenhaus, weil sie gestürzt war und sich verletzt hatte. Sie weigerte sich aber, ins Pflegeheim zu ziehen und wollte auch nicht, dass eine Pflegekraft bei ihr wohnt. Sie war der Meinung, sie brauche das nicht.

Ich konnte dann eine 24-Stunden-Betreuung organisieren für sie.
Zitat von BundeskanzleriBundeskanzleri schrieb am 20.03.2023:Aber danm sind sehr viele Demenzerkrankte recht glücklich und humorvoll.
Ja, das war meine Schwiegermutter dann auch, als die Demenz dann weiter fortgeschritten war. Sie lebte richtig gern und wer zufrieden.


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Demenzerkrankung: Erfahrungen?

09.04.2026 um 12:25
Zitat von violetlunavioletluna schrieb:Erst reichte ein ambulanter Pflegedienst, der dreimal pro Woche nach ihr schaute und einkaufte, kochte, Haushalt machte.
Da hast Du wahnsinnig viel geleistet!

Hast Du auch jemanden gefunden, der Arztbesuche mit ihr machte?
Das wuerde mir gerade helfen, wenn ich nur mitkommen muesste, wenn es etwas zu besprechen gibt....der medizinische Dienst war mir da keine Hilfe, als ich diese Frage gestellt habe.


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Demenzerkrankung: Erfahrungen?

09.04.2026 um 16:48
Zitat von Jan_Jan_ schrieb:Da hast Du wahnsinnig viel geleistet!
Danke! Ich denke aber, dass die Hauptarbeit bei den beiden Pflegekräften lag.
Zitat von Jan_Jan_ schrieb:Hast Du auch jemanden gefunden, der Arztbesuche mit ihr machte?
Nein, das hab ich selbst gemacht und bin da immer zu ihr gefahren. Das wollte ich bewusst so, ich bin ein bisschen ein Kontrollfreak 🫣. Bei Medizin kenne ich mich aus und diskutiere da auch schon mal mit Ärzten, wenn mir was nicht passt.

Zu Terminen wie Zahnkontrolle, Zahnreinigung, also so einfache Termine, sind die Pflegekräfte mit ihr gegangen.

Du könntest einen ambulanten Pflegedienst fragen. Da gibt's auch welche, die medizinische Pflegeleistungen erbringen.


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