CharliesEngel schrieb am 19.09.2025:In der letzten Ausgabe von ttt am Sonntag, den 14.09.2025, äußerte sich eine Philosophin, Manon Garcia, zu dem Thema. Sie war oft vor Ort im Gerichtssaal in Avignon und ist immer noch der Meinung, es seien normale Männer gewesen. Um das Problem der Vergewaltigungskultur aufzuzeigen, bedarf es mMn nicht, die Männer als normal zu betrachten, denn sie agieren "nicht normal" für mich, wenn sie eine egozentrische, frauenverachtende Sexualität ausüben. Nicht der Beruf macht sie zu Normalos.
und
Blutgräfin schrieb am 20.09.2025:Ich interpretiere diese Aussagen nun wieder ganz anders:
Es waren ganz normale Männer, niemand konnte ihnen ansehen, was sie dachten und taten, sie sind im Alltag nicht als Monster aufgefallen, teilweise nicht mal den eigenen Familien. Das ist für mich eine Warnung, immer wachsam zu bleiben, denn niemand hat auf der Stirn stehen, dass er ein Vergewaltiger ist, buchstäblich jeder Mann könnte diese Abgründe hinter einer oberflächlich freundlichen Fassade verbergen.
Das ist an diesem Fall mit die schlimmste Erkenntnis für mich.
Das Böse lauert nicht hinter einem Busch und ist der furchterregenden Fratze erkennbar, es ist überall, meist hervorragend getarnt und wird deshalb als völlig normaler Mensch wahrgenommen. Wir können nicht auf den ersten Blick erkennen, wer uns schaden möchte.
Manon Garcia, Jahrgang 1985, ist in diesem Februar Gast im Literaturhaus Hamburg, mit ihrem Buch "Mit Männern leben - Überlegungen zum Pelicot-Prozess".
Donnerstag, 26. Februar 2026, 19 Uhr
Literaturhaus Hamburg, Großer Saal
Philosophisches Café – Manon Garcia
Mit Männern leben – Überlegungen zum Pelicot-Prozess
Die monströse Geschichte der jahrelangen Vergewaltigungen von Gisèle Pelicot durch ihren eigenen Ehemann hat die Welt weit über Frankreich hinaus schockiert und aufgeschreckt. Die gebürtige Französin Manon Garcia, Professorin für Philosophie an der Freien Universität Berlin, hat am Gerichtsprozess in Avignon teilgenommen und analysiert in ihrem neusten Buch »Mit Männern leben – Überlegungen zum Pelicot-Prozess« (Suhrkamp) die Abgründe, die sich beim Fall Pelicot auftun.
Für diese philosophische Prozessbegleitung war Manon Garcia in besonderer Weise kompetent, denkt sie doch schon seit Langem über Fragen des sexuellen Konsenses nach. Ihr wichtiges philosophisches Buch zum Thema »Das Gespräch der Geschlechter – Eine Philosophie der Zustimmung« erschien 2023 bei Suhrkamp. Darin beschrieb sie unter anderem die vielen Grauzonen der Kommunikation, zeigte, dass die sexuelle Begegnung nicht immer einer Vertragssituation gleicht und entwarf ein optimistisches Szenario für die Zukunft der sexuellen Verständigung zwischen Männern und Frauen.
Der Fall Pelicot aber sprengt die bisherigen Debatten über »Nein heißt nein« oder »Ja heißt ja« bei Weitem, er wirft in tragischer Weise ganz grundsätzliche Fragen nach männlicher Gewalt auf, er macht sprach- und ratlos. Zeit für eine philosophische Reflexion.
Moderation: Catherine Newmark
Quelle:
https://www.literaturhaus-hamburg.de/veranstaltungen/philosophisches-cafe-manon-garcia-2026-02-26/Es gibt auch die Möglichkeit via Lifestream-Ticket dabei zu sein.
Ich habe ihr Buch bereits gelesen, alle Aspekte des Gerichtsprozesses werden behandelt, juristische Sachverhalte wurden zudem von einem Fachmann überprüft, ihr Buch ist hervorragend und ja
@Blutgräfin , heute stimme ich dir zu, der Täter ist nicht vorhersehbar erkennbar, nicht jeder traumatisierte Mann wird wohl zum Täter, kein minority report, es ist komplexer. Manon Garcia schildert dies in ihrem Buch so wie sie dort auch schildert, dass auch in Frankreich zunächst verdrängt wurde, die Pariser meinten, Pelicot und seine Mittäter wären halt aus Südfrankreich, die Intellektuellen meinten, es sei die mangelnde Bildung der Täter gewesen.
Manon Garcia hat zurzeit eine Junior-Professur an der FU Berlin.
Praktische Philosophie, FU Berlin
Was bedeutet es, frei zu sein, frei zu entscheiden und zu handeln? Wann und warum nehmen sich Menschen die Freiheit, auf Freiheit zu verzichten? Und welche Rolle spielt dabei die Unterscheidung von Mann und Frau? Manon Garcia wirft diese fundamentalen Fragen aus Perspektive der praktischen Philosophie auf neue Weise auf. Bereits in ihrer Dissertation legte sie eines der wichtigsten Bücher zur Philosophie Simone de Beauvoirs vor und entfaltete darin eine originelle feministische Perspektive: Die Unterwerfung der Frau wird nicht nur als das von außen kommende Verhindern von Emanzipation aufgefasst, sondern auch als eine selbstbestimmte Entscheidung, ob aus Gewohnheit oder sogar Lust.
Zudem beschäftigt sich Garcia mit der Frage der Zustimmung und der Einvernehmlichkeit im Kontext sexueller Handlungen. Sie untermauert empirisch, dass Vergewaltigungen normaler sind, als es die öffentlichen Debatten darüber wahrhaben wollen. Wie kann das sein, und was sagt das über unsere Gesellschaft aus? Manon Garcias philosophische Studien sind damit auch von hoher sozialer und politischer Relevanz.
Quelle:
https://www.dfg.de/de/gefoerderte-projekte/preistraeger-innen/leibnitz-preis/2025/garcia