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Nihilismus, Misanthropie und das Ende einer Depression

63 Beiträge, Schlüsselwörter: Depression, Nihilismus, Misanthropie

Nihilismus, Misanthropie und das Ende einer Depression

07.03.2014 um 20:56
Ich schrieb vom Ende einer Depression, doch ich muss aktuell dazu sagen, wirklich weg war sie nie. Es schwankt bei mir innerlich zwischen Resignation und Depression, bei der es dann und wann kleine Lichtblicke gibt. Dieses Thema beschäftigt mich aktuell gedanklich wieder sehr stark und auch der Nihilismus erlebt in meinen Gedanken ein Comeback, erst fand ich diese Erkenntnis traurig und ernüchternd, doch wenn sich innerliche und äußerliche Probleme häufen und man zugleich das aktuelle Zeitgeschehen und das aller vergangener Jahrtausende der Menschheitsgeschichte betrachtet, so spürt man doch den Gedanken der Resignation, das negative und destruktive überwiegt.

Nun habe ich da ich mich dem Zen-Buddhismus verbunden fühle bei der Meditation möglichst alles auszublenden, Gedanken zur Ruhe kommen zu lassen, es tatsächlich diese kurzen Momente der inneren Ruhe und Gelassenheit gibt. Inzwischen hab ich aber das Gefühl das ich diesen Zustand einer grundsätzlich nihilistischen Denkweise verdanke, völlig frei von Glaube, völlig frei von naiven Hoffnungen, frei von Sorgen, von Ängsten, von Zukunftsplänen, von Perspektiven. Ein Zustand völliger Selbstauflösung.

Es scheint da eine Verbindung zu existieren, man wird zu purem Bewusstsein, alles oberflächliche und gedankliche verliert in dem Moment an Bedeutung. Darum nenn ich Zazen inzwischen auch die Meditation des Nihilismus. Nur würde ich nie die Auflösung aller Hoffnungen und gänzlich aller Illusionen propagieren, nein, nur den Zustand der Selbstreinigung.

Am Ende trifft dieses Zitat ins Schwarze des ewigen Nichts des Nihilismus:
Das Problem des Nihilisten ist nicht, dass er nicht glaubt. Sein Problem ist, dass er nicht glaubt, dass noch irgendwer an ihn glaubt.
Begleitende Musik zu diesen Gedanken, Dark Ambient, Musik die alle Illusionen auflösen kann, gleichzeitig aber die Fantasie beflügelt, eine Fantasie wie sie die Postapokalypse beschreiben würde, eine Welt in der man der letzte und einzige noch vorhandene Beobachter des Verfalls einer Zivilisation ist.

http://www.youtube.com/watch?v=sIGq9yPfsH0

Ich bin gewiss kein absoluter Nihilist, dann und wann bin ich durchaus noch ein Idealist und Utopist, doch es gibt Phasen in denen ich absolut auf dem ernüchternden Boden der Tatsachen bin und mich in ein Ritual der Selbstreinigung begeben muss, die dunkle Form der Meditation, die Selbstauflösung als letzte Stufe im Zen-Buddhismus und eben auch im Nihilismus. Die pure Wahrnehmung der Wahrheit in seiner subjektiven Perspektive der Dinge, reines gedankenloses Bewusstsein.

So unglaublich das auch klingen mag, doch begibt man sich in diesen Zustand, wird man aus dem "Nichts" positive Denkweisen und innere Ruhe verspüren, eine Art Harmonie und Frieden, seine Welt nicht mehr zu bewerten und zu durchdenken. In diesem Moment fühlt man sich über alles erhaben, ja sogar über sich selbst. Doch was fühlt sich da erhaben? Sind wir doch mehr als nur Gedanken und unsere Körper? Muss man sich in einen absolut nihilistischen Zustand begeben um die Ganzheitlichkeit allen Seins zu erkennen und diese mit vollem Bewusstsein wahrzunehmen?

Kennt auch hier jemand diesen Zustand? Wenn ja wie fühlt ihr euch dabei, was resultiert für euch daraus später gedanklich um den Alltag zu bewältigen, trotz des Wissens der scheinbaren Sinnlosigkeit allen Seins?


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Billy73
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Nihilismus, Misanthropie und das Ende einer Depression

08.03.2014 um 18:12
cRAwler23 schrieb:Muss man sich in einen absolut nihilistischen Zustand begeben um die Ganzheitlichkeit allen Seins zu erkennen und diese mit vollem Bewusstsein wahrzunehmen?

Kennt auch hier jemand diesen Zustand? Wenn ja wie fühlt ihr euch dabei, was resultiert für euch daraus später gedanklich um den Alltag zu bewältigen, trotz des Wissens der scheinbaren Sinnlosigkeit allen Seins?
Ich weiss nicht, ob man das muss, aber in meinem fall war es auch so ähnlich wie bei dir. erstmal musste bei mir auch der totale sinnzusammenbruch kommen, damit was neues entstehen konnte. im grunde war es ein kleiner selbstmord. in grundzügen erlebt das wohl jeder in der pubertät und später weiterhin. - auf jeden fall scheint es mir zufall zu sein, ob man sozusagen weiterleben kann. manch einer bringt sich einfach um. - nunja wenn es denn weitergeht ist wohl nichts wie es einmal war. es ist wohl wie ein weiterleben nach der kaputten grossen liebe. - einerseits ist man froh, dass der schmerz weniger geworden ist, andererseits ist die hoffnung auf gravierende besserung kaum mehr vorhanden.

nun zum alltag: bei mir war es so, dass ich als epikureer versucht habe die stressfaktoren zu minimieren. meditation ist zwar gut aber besser finde ich ist bewegung, sport, tanzen also körperlichkeit. im grunde sind wir denke ich körperwesen und weniger geistwesen, somit ist es gesünder sich öfter mal auf den körper zu konzentrieren, damit der wirre geist keinen schaden anrichten kann. - wenn der körper befriedigt wird, gibt der geist meist auch ruhe.

allerdings in unserer modernen welt haben wir durch werbung und generelle psychische verführung das problem, das wir den geist nicht wieder in die "flasche" bzw. in den körper zurückbekommen, weil der geist so lange aus dem körper raus war durch die vielen geistigen herausforderungen des alltags. - ich bin soweit, dass ich kaum verpflichtungen habe und den geist somit halbwegs kontrollieren kann.

aber jeder ist da wohl sehr verschieden. in deinem fall stelle ich mir es sehr schwierig vor, weil dein geist sehr voll ist, da die "luft" rauszulassen wird dir wohl schwer fallen und auch sehr viel zeit benötigen. freiwillig "dümmer" werden ist schwer zu verkraften, wenn man nicht das gefühl hat, es gäbe keinen anderen ausweg.


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Nihilismus, Misanthropie und das Ende einer Depression

08.03.2014 um 19:04
@cRAwler23
cRAwler23 schrieb:Kennt auch hier jemand diesen Zustand? Wenn ja wie fühlt ihr euch dabei, was resultiert für euch daraus später gedanklich um den Alltag zu bewältigen, trotz des Wissens der scheinbaren Sinnlosigkeit allen Seins?
Hoffnung. :)


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Nihilismus, Misanthropie und das Ende einer Depression

08.03.2014 um 23:00
Billy73 schrieb:Ich weiss nicht, ob man das muss, aber in meinem fall war es auch so ähnlich wie bei dir. erstmal musste bei mir auch der totale sinnzusammenbruch kommen, damit was neues entstehen konnte. im grunde war es ein kleiner selbstmord.
Genau so denke ich inzwischen auch darüber und ich habe festgestellt das man in seinem Leben häufiger kleine "Tode" durchlebt, diese prägen ein stärker als es uns meist bewusst ist, sei es ein kleiner Abschied, der Wegfall einer bestimmten Denkweise und Meinung, das Verlust von etwas, der Verlust von Glaube. Doch immer gab es auch eine Wiedergeburt oder die Geburt etwas gänzlich neuen. Es ist wie mit dem Absterben einer Pflanze die zu Kompost wurde und die Lebensgrundlagen für andere Lebewesen geschaffen hat. Dies ist schon innerhalb eines Lebens möglich.

Müssen ist sicher nicht der richtige Begriff, aber Können und Wollen oder auch eine gewisse Unausweichlichkeit einer solchen Situation. Manches machen wir unterbewusst, manches bewusst.
Billy73 schrieb:nun zum alltag: bei mir war es so, dass ich als epikureer versucht habe die stressfaktoren zu minimieren. meditation ist zwar gut aber besser finde ich ist bewegung, sport, tanzen also körperlichkeit. im grunde sind wir denke ich körperwesen und weniger geistwesen, somit ist es gesünder sich öfter mal auf den körper zu konzentrieren, damit der wirre geist keinen schaden anrichten kann. - wenn der körper befriedigt wird, gibt der geist meist auch ruhe.
Man sagt ja auch, in einem gesunden Körper wohnt ein gesunder Geist, jedoch seh ich das nicht ganz so physisch wie du. Ich kenne auch viele ziemlich kranke Köpfe die physisch fit und gesund sind. Dafür kenn ich auch viele mit einem gesunden Geist die physische Leiden haben. Ich denke da gibt es leider kein allgemeingültiges Rezept. Natürlich sind die Menschen die bei beiden Aspekten nicht nur gesund sondern auch fit sind mit Sicherheit die Menschen die auch eine Zufriedenheit erfahren können, die sie auch weit weniger negativ denken lassen kann. Aber selbst die können auch eine Depression bekommen, manchmal ist ihre eigen Verfassung nicht ausschlaggebend, manchmal sind es dann die äußeren Faktoren die auf das innere Befinden wirken.

Ich selbst schwanke zwischen der Lebensphilosophie von Epikur und dem Nihilismus von Hegesias Peisithanatos. Welche natürlich durchaus auch recht gegensätzlich sind.

Wikipedia: Epikur
Wikipedia: Hegesias
Billy73 schrieb:allerdings in unserer modernen welt haben wir durch werbung und generelle psychische verführung das problem, das wir den geist nicht wieder in die "flasche" bzw. in den körper zurückbekommen, weil der geist so lange aus dem körper raus war durch die vielen geistigen herausforderungen des alltags. - ich bin soweit, dass ich kaum verpflichtungen habe und den geist somit halbwegs kontrollieren kann.
Man merkt wie gut einem die Unbefangenheit und Unabhängigkeit im Denken tut. Genau ab da wird es interessant und man wird aufmerksamer hinter diese psychosoziale Matrix blicken, sie nicht nur hinterfragen, sondern mehr und mehr ablehnen oder gar bekämpfen. Ein Gebäude der Illusionen und Labyrinthe in das sich Menschen verrennen und unerreichbaren Idealen nachjagen, statt mal eine Leiter zu nehmen und über diesen Irrgarten zu blicken und die Lächerlichkeit dessen zu erkennen. Nur einzelne betrifft das, die einen verzweifeln daran, die anderen nutzen das System dann für eigene Zwecke aus, die anderen leben alternativ und unabhängig davon.
cRAwler23 schrieb am 20.04.2012:Hoffnung. :)
Bei mir ist es eine gewisse Leichtfüßigkeit, dann und wann :)
Manchmal aber eben auch eine hoffnungslose Schwermütigkeit.


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