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Ist nur Demokratie "gut"?

293 Beiträge ▪ Schlüsselwörter: Gesellschaft, Demokratie, Kommunismus ▪ Abonnieren: Feed E-Mail

Ist nur Demokratie "gut"?

um 07:42
Zitat von tarentaren schrieb:Demokratie ist keine Wirtschaftsform, was du als darunterliegende Wirtschaftsform wählst ist wiederum ein anderes Thema, soziale Marktwirtschaft, purer Kapitalismus, Sozialismus etc.... Daher ja Demokratie ist das Gegenteil von Diktatur und in keinem Fall wirst du mit einer Diktatur über der Wirtschaftsform besser dastehen
Demokratie ist keine Wirtschaftsform, das stimmt, aber sie ist die politische Form die die Wirtschaftsform sichert.... ob du das nun soziale Marktwirtschaft oder purer Kapitalismus nennst, der Kern bleibt der gleiche. Privateigentum an Produktionsmitteln, Lohnarbeit, Kapitalverwertung, das alles steht nie zur Wahl...

Dass Demokratie das Gegenteil von Diktatur ist, ist formal richtig, aber wer in der Demokratie nur das Gegenteil der Diktatur sieht, übersieht, dass beide die gleiche Grundstruktur schützen. Der Unterschied ist nicht die Sache, sondern die Methode. Die Demokratie verwaltet die Ausbeutung mit Zustimmung der Ausgebeuteten, die Diktatur tut es ohne Zustimmung. Das ist 'n Unterschied, aber kein Wandel der Sache.

Du sagst, mit einer Diktatur stehe man bei der Wirtschaftsform nicht besser da, das ist richtig, aber mit der Demokratie steht man auch nicht besser da, wenn die Wirtschaftsform dieselbe bleibt. Die Frage ist nicht, ob du mit oder ohne Zustimmung ausgebeutet wirst, sondern ob du überhaupt ausgebeutet wirst....


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Ist nur Demokratie "gut"?

um 08:57
Zitat von tarentaren schrieb:wenn du hier eine Monarchie mit einer Demokratie vergleichst
Ich habe nicht Monarchie und Demokratie verglichen, sondern zwischen Monarchie und Diktatur differenziert. Und selbst, wenn ich es verglichen hätte, ist ein Vergleich keine Gleichsetzung. Zumal sich beides nicht ausschließt: Im Gegensatz zu Diktaturen können Monarchien in jedem beliebigen Grad demokratische Elemente integrieren und historisch kamen diese verschiedenen Ausprägungen auch tatsächlich vor. Außerdem ist es an dieser Stelle wichtig, zwischen Staatsform und Regierungssystem zu unterscheiden.
Zitat von tarentaren schrieb:und dabei suggerierst das eine kleine Minderheit schon eine ähnliche demokratische Legitimation hat wie ein Großteil der Bevölkerung.
Ich habe nichts dergleichen suggeriert, sondern du hast das allenfalls in meine Zeilen hineinphantasiert.
Zitat von tarentaren schrieb:Erstmal soll AI nur die Planungen der Politiker und des Staatsapparates auf Plausibilität überprüfen
Plausibilität in welcher Hinsicht? Die Wahrscheinlichkeit, mit der die gewählten Mittel zum gewünschten politischen Ziel führen? Die politischen Ziele selbst sind ja von Faktoren bestimmt, die mit "Plausibilität" wenig zu tun haben: Weltanschauungen, Wünsche, Bedürfnisse, Emotionen und all den Rechtfertigungen, die dafür im Einzelnen zurechtgelegt werden.


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Ist nur Demokratie "gut"?

um 09:09
Zitat von tarentaren schrieb:bei einer Diktatur und Monarchie ist von Anfang an gesetzt das die Staatsführung nicht perfekt und moralisch einwandfrei ist. Daher können diese auch niemals gut sein.
Die Staatsführung in einer Monarchie kann niemals gut sein? Steile These, das sahen selbst die Sozis zu Revolutionszeiten schon mal anders, wie ihr Nachruf auf den letzten König von Württemberg zeigt.
Nachruf der Heilbronner sozialdemokratischen Zeitung Neckar Echo vom 3.10.1921 zum Tod Herzog Wilhelms (bis 1918 König Wilhelms II.) der tags zuvor gestorben war.

„Wir Sozialdemokraten waren immer Republikaner und damit auch Gegner der Institution des württembergischen Königtums. Aber wir waren nie persönliche Widersacher des letzten Königs von Württemberg. Dazu hatten wir keinen Anlass, denn Wilhelm II. war als Mensch und Persönlichkeit hochachtbar und er hat sich auch in seiner Eigenschaft als Monarch immer und überall Sympathie erworben. [...] Auch bei der Revolution im November 1918, als das monarchische System in ganz Mitteleuropa zusammenbrach, hat man in Württemberg kein unschönes Wort gegen den damals loyal auf seine Thronrechte verzichtenden König gehört. Man kann wohl sagen, dass wenn alle Monarchen ihre Rolle so klug und mit weiser Zurückhaltung gespielt hätten, wie Wilhelm II. von Württemberg, so würde das monarchische System nicht so kläglich abgewirtschaftet und bankrott gemacht haben. An der Bahre des toten Herzogs senken auch wir Sozialisten und Republikaner in Achtung und persönlicher Sympathie unsere Fahne.
(zit. n.: Krieg, Revolution, Republik. Die Jahre 1918 bis 1920 in Baden und Württemberg. Bearbeitet von Günter Cordes, herausgegeben vom Hauptstaatsarchiv Stuttgart, Ulm 1978, S. 91 f.)
Quelle: https://www.schule-bw.de/faecher-und-schularten/gesellschaftswissenschaftliche-und-philosophische-faecher/landeskunde-landesgeschichte/module/bp_2016/europa_in_der_zwischenkriegszeit/demokratischer-neuanfang-in-der-weimarer-republik/die-revolution-im-november-1918-in-wuerttemberg-interview-mit-der-geschichte/ab10c.pdf


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Ist nur Demokratie "gut"?

um 09:15
Zitat von BorrominiBorromini schrieb:Die Staatsführung in einer Monarchie kann niemals gut sein?
Es hängt einerseits davon ab, welche Art von Monarchie es ist. Eine Monarchieform wie im UK, den Niederlanden etc. scheint sich ja halbwegs mit einer Demokratie zu vertragen bzw. kann parallel zueinander funktionieren.

Andererseits kann eine Monarchie ja auch wie eine Diktatur geführt werden, wenn der Monarch bzw. die Monarchenfamilie einen sehr starken Einfluss auf die Politik hat.


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Ist nur Demokratie "gut"?

um 09:21
@martenot Richtig, deshalb muss eben differenziert werden. Alles andere wäre so sinnvoll, wie die Demokratie als System an den Wahlerfolgen von Trump und der AfD oder der Selbstbezeichnung der DDR zu bewerten.


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Ist nur Demokratie "gut"?

um 09:25
Allerdings finde ich, dass die Regierungsform Demokratie immer vorhanden sein sollte - ob mit oder ohne Monarchie gleichzeitig, ist aus meiner Sicht eher zweitrangig und hat wahrscheinlich überwiegend historische Gründe.

Jedenfalls wüsste ich jetzt nicht, was uns in Deutschland oder in einzelnen Bundesländern oder Regionen ein Monarch bringen sollte, außer, dass es neues Material für Klatsch und Tratsch bringt. So eine königliche, fürstliche, großherzogliche Familie hat natürlich vielleicht Glanz und Gloria zu bieten, über die man gern berichtet.


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Ist nur Demokratie "gut"?

um 10:10
Zitat von martenotmartenot schrieb:Jedenfalls wüsste ich jetzt nicht, was uns in Deutschland oder in einzelnen Bundesländern oder Regionen ein Monarch bringen sollte
Ich wüsste es auch nicht. Sie hatten bei uns ihre Zeit, aber dann kam der Bruch und die Entwicklung hat einen anderen Lauf genommen, hin zur Republik. Das rückgängig zu machen, hätte wenig Sinn.


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Ist nur Demokratie "gut"?

um 18:32
Zitat von peekaboopeekaboo schrieb:die Diktatur tut es ohne Zustimmung. Das ist 'n Unterschied, aber kein Wandel der Sache.
Du übersiehst aber das in einer Diktatur zusätzlich die Freiheit eingegrenzt wird, du arbeitest dann evtl. nicht mehr für ein Unternehmen, sondern für den Klüngel des Staates. Ein falsches Wort und du landest nicht auf der Straße sondern im Folterkeller und dann evtl. im Straßengraben. Ein Forum wie dieses hier wäre evtl. schon Lebensgefahr und das ist ein Wandel der Sache.
Zitat von BorrominiBorromini schrieb:Plausibilität in welcher Hinsicht? Die Wahrscheinlichkeit, mit der die gewählten Mittel zum gewünschten politischen Ziel führen? Die politischen Ziele selbst sind ja von Faktoren bestimmt, die mit "Plausibilität" wenig zu tun haben: Weltanschauungen, Wünsche, Bedürfnisse, Emotionen und all den Rechtfertigungen, die dafür im Einzelnen zurechtgelegt werden.
Die politischen Ziele sind erstmal nur Vermutungen von Politikern und sie haben meist keine Ahnung ob sie mit ihren Vermutungen überhaupt ihr Ziel erreichen können. Nur weil du gerne was erreichen möchtest bedeutet dies nicht das du es auch erreichen kannst.
Zitat von BorrominiBorromini schrieb:Die Staatsführung in einer Monarchie kann niemals gut sein? Steile These, das sahen selbst die Sozis zu Revolutionszeiten schon mal anders, wie ihr Nachruf auf den letzten König von Württemberg zeigt.
Wie gesagt wir reden hier nicht von einer Grüßonkel Monarchie.


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