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Ermordete Millionärin, verschwundene Tagebücher: Cold Case aus Essen

152 Beiträge ▪ Schlüsselwörter: Mord, Essen, Cold Case ▪ Abonnieren: Feed E-Mail

Ermordete Millionärin, verschwundene Tagebücher: Cold Case aus Essen

12.08.2026 um 13:33
Zitat von LarsAttacksLarsAttacks schrieb:Ich hatte das so verstanden, dass die Handtasche auch verschwunden sei. Dann hat der Täter sie einfach komplett mitgenommen.
Kann natürlich auch sein. Aber für mich klingt es hier...

Beitrag von LackyLuke77 (Seite 1)

...so als ob der Täter nur den Inhalt der Handtasche mitgenommen hätte. Wenn die Handtasche fehlen würde, hätte man es auch anders formulieren können (z.B. "Zudem entwendete der Täter nach Erkenntnissen der Polizei die Handtasche seines Opfers, in der sich rund 10.000 D-Mark Bargeld, Goldschmuck und zwei Notizbücher befanden").


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Ermordete Millionärin, verschwundene Tagebücher: Cold Case aus Essen

12.08.2026 um 14:14
Das kann auch so gewesen sein, denn nachdem ich mir die Videos nochmal angesehen habe, fiel mir auf, dass die Handtasche nie als verschwundener Gegenstand aufgeführt worden ist, so wie z. B. der Spazierstock. Man hätte ja ungefähr gewusst, wie die Tasche aussieht und ein ähnliches Modell gezeigt. Von daher wird der Täter sie schlicht und einfach ausgeleert und am Tatort (ohne weitere Spuren) zurückgelassen haben.


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Ermordete Millionärin, verschwundene Tagebücher: Cold Case aus Essen

18.08.2026 um 12:59
Zitat von LackyLuke77LackyLuke77 schrieb am 12.08.2026:...so als ob der Täter nur den Inhalt der Handtasche mitgenommen hätte. Wenn die Handtasche fehlen würde, hätte man es auch anders formulieren können (z.B. "Zudem entwendete der Täter nach Erkenntnissen der Polizei die Handtasche seines Opfers, in der sich rund 10.000 D-Mark Bargeld, Goldschmuck und zwei Notizbücher befanden").
Ich hatte mir gestern die MordOrte-Doku angeschaut und an einer Stelle in dieser scheint die echte Handtasche tatsächlich gezeigt zu werden. Sie ist also wahrscheinlich nicht mitgenommen worden.
Zitat von LarsAttacksLarsAttacks schrieb am 12.08.2026:Ein geplanter Besuch einer bekannten Person zur Tatzeit schließt sich meiner Meinung nach aus. Diesen wird sie nicht im Morgenrock empfangen haben. Ich kenne das von meiner Mutter und Großmutter. Die hätte sich vorher immer vollständig angezogen.
Das ist mir zu sicher. Ja, diese Generationen legten schon mehr Wert auf ihr öffentliches Auftreten, aber das ist ja nur eine generelle Tendenz, nicht absolut. Auch nicht, dass sie unter keinen Umständen Leuten spontan aufgemacht hätte. Jeder von uns hat Verhaltensmuster im Alltag, von denen man aber immer mal abweichen kann, weil z. B. etwas Unvorhergesehenes passiert. Gerade dass sie von allen Ecken ihrer 20-Zimmer-Villa ausgerechnet im Eingangsbereich tot aufgefunden wurde, macht laut Polizei ein Türöffnen wahrscheinlicher.

Und was du sagst: Über Hecken und Zäune klettern können auch nicht nur Einbrecher, sondern auch Bekannte, Erben oder Angestellte, wenn sie etwas Böses im Schilde führen oder auch nur ein Gespräch erzwingen wollen, das dann eskaliert. Wenn man sich die MordOrte-Doku ansieht, muss man da nicht extrem sportlich sein.

Insgesamt sehr interessant, dass sich die MordOrte-Doku stärker auf die Einbruchsthese fokussiert. Wobei der Polizist da ja zurückhaltender war und die Theorie besonders von dem befreundeten Nachbarn der Hauserbin bestärkt wurde. Es dürfte allgemein angenehmer im Leben für die Erben sein, dass es noch die Einbruchtstheorie als Alternative gibt, als das stattdessen einer von ihnen der Mörder ist. Wenn die Nachbarn und Bekannten jahrelang über einen spekulieren, ob man nun Mörder ist oder nicht, stelle ich mir sehr kräftezehrend vor. Gerade wenn man eben nicht der Täter ist. Die Hauserbin scheint ja auch die Belohnung von 5000 Euro ausgesetzt und außerdem die Dreharbeiten auf ihrem Grundstück erlaubt zu haben.

Aber es fällt schon auf, dass je nach Berichterstattung andere Schwerpunkte gesetzt werden, ob es nun Ermittlungstaktik oder einfach nur die Entscheidung der Medienmacher ist.


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Ermordete Millionärin, verschwundene Tagebücher: Cold Case aus Essen

09.09.2026 um 22:19
Zitat von baphbaph schrieb am 18.08.2026:Und was du sagst: Über Hecken und Zäune klettern können auch nicht nur Einbrecher, sondern auch Bekannte, Erben oder Angestellte, wenn sie etwas Böses im Schilde führen oder auch nur ein Gespräch erzwingen wollen, das dann eskaliert.
Klar, aber von Bekannten, Erben und Angestellten wird man die DNA haben.

Die Spuren in Verbindung mit den Örtlichkeiten und den Verhaltensweisen des Opfers sprechen eher für einen Einbruch, der eskaliert ist.


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Ermordete Millionärin, verschwundene Tagebücher: Cold Case aus Essen

10.09.2026 um 15:22
Zitat von SchlafwandlerSchlafwandler schrieb:Klar, aber von Bekannten, Erben und Angestellten wird man die DNA haben.

Die Spuren in Verbindung mit den Örtlichkeiten und den Verhaltensweisen des Opfers sprechen eher für einen Einbruch, der eskaliert ist.
Ich würde mich jetzt nicht zu sehr auf die eine DNA-Spur versteifen und alles außer dem Einbruch ausschließen. Im Eingangsbereich gibt es da viele Möglichkeiten. Und dass jemand einen Handlanger losgeschickt hat, wie ich mal ausgeführt hatte, ist auch nicht komplett unmöglich.

Jedenfalls hatten ich und viele andere hier gute Argumente vorgebracht, wo Schwächen der Einbrecher-Theorie liegen. Ohne zu ausführlich zu werden: Der Mord wenige Stunden vor der geplanten Testamentsänderung einer Millionärin, die Auffindesituation direkt an der Haustür, die für einen Einbrecher untypische Emotionalität der Tötung und die Mitnahme der Tagebücher ist für mich zu viel Zufall.

Man weiß auch nicht, was für Wissen die Polizei vorhält, möglicherweise ganz bewusst, um viele Ermittlungswege und Theorien offen zu lassen. Letztlich erscheinen derzeit beide Varianten im Bereich des Möglichen.


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Ermordete Millionärin, verschwundene Tagebücher: Cold Case aus Essen

10.09.2026 um 22:09
Zitat von SchlafwandlerSchlafwandler schrieb:Klar, aber von Bekannten, Erben und Angestellten wird man die DNA haben.
Die haben dann aber alle auch eine plausible Erklärung für eine etwaige DNA Spur. Weil sie nämlich mit der Dame im legalen Rahmen zu tun hatten.

Die eine unbekannte DNA Spur muss nicht vom Täter stammen.

Und schließlich könnte es sich auch noch um eine Auftragstat gehandelt haben, die von außen nach einem Raubmord aussehen sollte.


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Ermordete Millionärin, verschwundene Tagebücher: Cold Case aus Essen

10.09.2026 um 22:34
Zitat von sören42sören42 schrieb:Die haben dann aber alle auch eine plausible Erklärung für eine etwaige DNA Spur. Weil sie nämlich mit der Dame im legalen Rahmen zu tun hatten.

Die eine unbekannte DNA Spur muss nicht vom Täter stammen.
Dann würde das Thema DNA-Spur kaum im Rahmen des Falles von den Behörden thematisiert. Wie auch immer: Die Fingerspuren in der Dusche im Keller würden sich mit den Bekannten kaum wegdefinieren lassen.
Zitat von sören42sören42 schrieb:Und schließlich könnte es sich auch noch um eine Auftragstat gehandelt haben, die von außen nach einem Raubmord aussehen sollte.
Es spricht vieles gegen eine Auftragstat:
Zitat von SchlafwandlerSchlafwandler schrieb am 31.07.2026:Die These eines Auftragsmords stößt auf mehrere offensichtliche Bedenken:

1. Auftragsmörder sind jenseits der organisierten Kriminalität eine sehr seltene Spezies. Die stehen nicht einfach so parat, wenn man gerade einen braucht.

2. Das Übertöten (in der einen Quelle ist von "rasender Wut" die Rede) spricht klar gegen einen Auftragsmörder. Ich stimme auch der These zu, dass ein Auftragsmörder eine Waffe mitgebracht hätte. Sie hätte eine weniger blutige und schnellere (das Opfer hat ja offenbar noch schreien können) Tatausführung erlaubt.

3. Ein Auftragsmörder hätte, wenn er nach der Tat tatsächlich in dem Haus geduscht hätte, jedenfalls keine Fingerabdrücke hinterlassen. Handschuhe gab es auch schon vor 29 Jahren.



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Ermordete Millionärin, verschwundene Tagebücher: Cold Case aus Essen

16.09.2026 um 09:32
Zitat von SchlafwandlerSchlafwandler schrieb am 10.09.2026:Dann würde das Thema DNA-Spur kaum im Rahmen des Falles von den Behörden thematisiert. Wie auch immer: Die Fingerspuren in der Dusche im Keller würden sich mit den Bekannten kaum wegdefinieren lassen.
Wo ist von DNA-Spuren in der Dusche die Rede? Bislang habe ich nichts davon gelesen oder gehört, aber kann sein.

Und ja, die Polizei erwähnt schon die DNA-Spuren, aber nicht übermäßig stark. Die offizielle Pressemitteilung der Polizei NRW zur XY-Ausstrahlung zum Beispiel schreibt nichts davon. Die meisten Berichte erwähnen die DNA-Spur in einem oder zwei Sätzen uznter vielen. Da würde ich am ehesten tippen: Die DNA kann ein entscheidender Beweis werden, ist es aber nicht zwangsläufig.
Zitat von SchlafwandlerSchlafwandler schrieb am 10.09.2026:Es spricht vieles gegen eine Auftragstat:
Ich hatte da in einem früheren Post schon etwas ausgeführt. Gerade in diesem Fall, wo jene Menschen mit akutem Mordmotiv kaum Verbindungen ins kriminelle Milieu haben dürften, ist auch ein eher semiprofessionell durchgeführter Auftragsmord denkbar oder etwas, das vielleicht nur als Einschüchterung beginnen sollte und dann fehlgeschlagen ist.

Da die Polizei im Podcast am Ende explizit nach Mitwissern und Profiteuren fragt, die sich jetzt nach fast 30 Jahren vielleicht ihr Gewissen erleichtern möchten, ist eine solche Theorie mit Täter/Auftraggeber statt nur Einzeltäter vielleicht auch von der Polizei nicht von der Hand zu weisen.

Und auch beim Einbrecher gibt es da viele Fragen: Ein Einbrecher, der so abgebrüht sein müsste, das Wechseln ihrer Binden auszukundschaften, lässt sich bei einem "Routine"-Einbruch dazu hinreißen, einen unnötigen, sehr brutalen Mord zu begehen? Selbst wenn er im Keller festgesessen hätte, so wäre die Überwältigung dieser (wenn man dem ZDF glauben kann) sehr gebrechlichen und langsamen alten Frau für einen männlichen Einbrecher leicht umsetzbar gewesen, ohne sie zu töten. Und dann wurde auch gemessen am herausholbaren Maximum vergleichsweise wenig mitgenommen, aber ausgerechnet jenes scheinbar wertlose Tagebuch. Eine Ausnahme wäre vielleicht, dass sie den Einbrecher kannte und ihn hätte später identifizieren können. Aber dann wären wir auch schon wieder im Bekanntenkreis und nicht bei einem zufälligen Einbrecher.


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Ermordete Millionärin, verschwundene Tagebücher: Cold Case aus Essen

16.09.2026 um 09:40
Zitat von baphbaph schrieb:Wo ist von DNA-Spuren in der Dusche die Rede? Bislang habe ich nichts davon gelesen oder gehört, aber kann sein.
Der Täter soll an den Wänden der Dusche zahlreiche Fingerabdrücke hinterlassen haben.

Ist ausschließlich in dem in der Diskussion bereits verlinkten Magazin für Burgaltendorf nachzulesen:

Beitrag von AnGe (Seite 1)


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Ermordete Millionärin, verschwundene Tagebücher: Cold Case aus Essen

16.09.2026 um 13:21
Danke, dann hatte ich es überlesen! Wobei es ja bewusst als Frage und auch so formuliert ist, dass man keineswegs sicher sein kann, dass es der Täter war, der sich da geduscht hat.


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Ermordete Millionärin, verschwundene Tagebücher: Cold Case aus Essen

16.09.2026 um 14:06
Die Versuche, die Einbruchsthese zurückzuweisen, sind mittlerweile nicht frei von Verzweiflung.

So wie das Opfer beschrieben wurde, ist es unwahrscheinlich, dass es freiwillig Fremde im Keller duschen ließ. Und seine Fingerspuren und die aus seinem Umfeld dürften es nicht gewesen sein - das wird die Polizei überprüft haben.

Das Wenige, das an materiellen Spuren vorhanden ist, wird wegdefiniert, wenn es nicht in das gewünschte Szenario passt. Und aus dem ehemals professionellen Auftragsmörder ist jetzt ein nur noch halbprofessioneller geworden, der die merkwürdigsten Verhaltensweisen an den Tag legt.

DNA? - Ist doch gleichgültig, wenn sie nicht ins Szenario passt.
Fingerspuren? - Werden schon irgendwie nichts mit der Tat zu tun haben.

Es ist natürlich das famose Notizbuch, das hier die Sinne verwirrt. Da es verschwunden ist, muss es vermeintlich unbedingt mit dem Mord zu tun haben, obgleich kein Außenstehender weiß, was eigentlich darin steht. So wäre es in einem Kriminalroman, aber so muss die Realität nicht sein. Das Notizbuch konnte ein bloßer Beifang sein, als der Täter den Inhalt der Tasche mitgenommen hat.

Die Einbruchsthese lässt sich nicht zwingend beweisen, aber das Wenige, was an materiellen Spuren vorhanden ist, lässt sich mit ihr gut vereinbaren ebenso wie der mutmaßliche Tatverlauf.

Alternative Szenarien lassen sich nicht ausschließen, aber stoßen halt schnell an ihre argumentativen Grenzen.


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Ermordete Millionärin, verschwundene Tagebücher: Cold Case aus Essen

16.09.2026 um 17:43
Zitat von SchlafwandlerSchlafwandler schrieb:Die Versuche, die Einbruchsthese zurückzuweisen, sind mittlerweile nicht frei von Verzweiflung.
Ich halte es für problematisch, hier ganz festgelegte Statements machen zu wollen, wo sicherlich nur ein Bruchteil der Informationen, welche der Polizei vorliegen, an uns (die Öffentlichkeit) gelangt. Und laut allem, was die Ermittler sagen, kann man beide Theorien aus guten Gründen vertreten. Wenn ich streng sein möchte, sind ein paar Aussagen der Ermittler sogar in der Tendenz defensiv zur Einbrecher-Theorie (z.B., dass diese "auch denkbar" sei).

Warum sich nicht mal mit einer gewissen Ambivalenz zufrieden geben? Das ist leider manchmal hier eine generelle Schwäche bei Allmystery, dass Lücken mit Theorien vertreten werden (mache ich vielleicht auch), aber diese dann auch noch auf apodiktische Weise zu vertreten (mache ich nicht).
Zitat von SchlafwandlerSchlafwandler schrieb:Das Wenige, das an materiellen Spuren vorhanden ist, wird wegdefiniert, wenn es nicht in das gewünschte Szenario passt. Und aus dem ehemals professionellen Auftragsmörder ist jetzt ein nur noch halbprofessioneller geworden, der die merkwürdigsten Verhaltensweisen an den Tag legt.
Wegdefiniert habe ich nichts, was die materiellen Spuren angeht. Aber dass nur dieses kleine Lokalblatt in einem Fragesatz die Spuren in der Dusche klar benennt und sonst kein Medium, lässt gewisse Fragen und natürlich weitere Details offen. Auch die Polizei sagt nicht, wie in anderen Cold Cases, etwas wie: "Wenn wir die Spur zuordnen können, haben wir unseren Täter." Das sagt mir, dass es noch andere Lösungsansätze geben könnte. Fingerabdrücke können auf gewissen Oberflächen sehr lange bestehen, selbst wenn jemand mal duscht und es feucht wird.

Die Theorie, dass es auch ein halbprofessioneller Killer sein könnte, habe ich hier schon recht früh vertreten. Und für einen Einbrecher wären die Verhaltensweisen zum Teil noch abstruser, weil dieser nicht mit einer Tötungsabsicht ans Werk gehen wird (dazu unten mehr).
Zitat von SchlafwandlerSchlafwandler schrieb:Es ist natürlich das famose Notizbuch, das hier die Sinne verwirrt. Da es verschwunden ist, muss es vermeintlich unbedingt mit dem Mord zu tun haben, obgleich kein Außenstehender weiß, was eigentlich darin steht. So wäre es in einem Kriminalroman, aber so muss die Realität nicht sein. Das Notizbuch konnte ein bloßer Beifang sein, als der Täter den Inhalt der Tasche mitgenommen hat.
Man sollte sich nicht zu sehr am Notizbuch aufhängen, da gebe ich dir sogar recht. Was drin gestanden haben könnte, weiß man laut XY aber schon ziemlich genau. Nämlich Gedanken, Termine und Besuche im Haus. Alles davon könnte tatrelevant sein. Und da ist dann wiederum schon eine Tendenz dabei, dass es jemand mitgenommen hatte, der wusste, dass sie dort regelmäßig etwas notiert.

Was mich vor allem von der puren Einbruchsthese wegbringt, sind die Wahrscheinlichkeiten:

Die Hunderte an Kombinationsmöglichkeiten, wo sich Täter und Opfer in der 20-Zimmer-Villa von Frau Hohmann begegnen können. Was einigen Menschen vielleicht nicht klar ist, wenn sie nur auf engem Raum leben. Etwas privat, aber bei unseren 250 Quadratmetern zu zweit können wir uns oft den ganzen Tag aus dem Weg gehen. Dass es ausgerechnet an der Tür war, hält die Polizei ja auch für ein starkes Indiz für einen Täter, den sie kannte (siehe Podcast). Der Nachbar bringt zwar im WDR eine andere Theorie, aber das wird von der Polizei auch einbezogen sein.

Aber das ist ja nur der Anfang: Mit 78 Jahren wie Frau Hohmann hat man über 28.000 Lebenstage hinter sich, in ihrem Fall sogar den Zweiten Weltkrieg. Und von all diesen über 28.000 Tagen wird sie ausgerechnet an jenem Tag ermordet, an dem ein Mordmotiv gegen sie am stärksten sein dürfte: Weil sie wenige Stunden davor steht, womöglich jemandem sein Millionenerbe zu entziehen.

Ich habe nicht die Statistik für 1998, aber laut BKA gibt es heute 80.000 bis 90.000 Wohnungseinbrüche. Die Opferzahl für Wohnungseinbruchdiebstahl mit Todesfolge liegt laut BKA im Jahr 2023 bei exakt einem Fall, für 2024 bei null Fällen. Über den niedrigen einstelligen Bereich kommt das nicht heraus. Einbrecher suchen Beute, keinen Mord. Die extrem wenigen Mordfälle passieren überwiegend bei körperlichen Konfrontationen, und da brauchte der Täter kaum Angst zu haben.

Lassen wir die möglichen Begegnungsorte im Haus mal großzügig außen vor, allein die (natürlich extrem grobe) Rechnung 28.000x80.000 zeigt, in welchen Sphären absonderlichen Glücks sich der fast enterbte Erbe befand, dass Frau Hohmann just am Tag der möglichen Millionen-Testamentsänderung auf einen der wenigen mordenden Einbrecher pro Jahr in Deutschland trifft.

Und deshalb halte ich es für falsch, einen Täter oder einen Auftragsmord aus ihrem Umfeld auszuschließen.


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