Mysteriöser Vermisstenfall: Gießener Student verschwindet 2007 in Peru – und Jahre später taucht ein seltsames Plakat aus dem Amazonasgebiet auf

Ich bin gerade eher zufällig auf einen Vermisstenfall gestoßen, über den ich erstaunlicherweise vorher noch nie etwas gehört hatte. Und obwohl der Fall schon fast 20 Jahre zurückliegt, findet man im Internet so gut wie nichts darüber.

Es geht um einen Deutschen aus Gießen, Jahrgang 1969, der in Gießen gelebt und studiert hatte. Mitte der 2000er Jahre wanderte er offenbar nach Peru aus.

Das letzte bekannte Lebenszeichen stammt aus dem November 2007. Damals telefonierte er noch mit seinen Eltern, die im Gießener Umland leben. Danach verliert sich seine Spur komplett.

Erst 2009 meldeten ihn seine Eltern bei der Polizei als vermisst. Warum zwischen dem letzten Kontakt und der Vermisstenmeldung ungefähr zwei Jahre lagen, geht aus dem Artikel leider nicht hervor.

Was ich besonders merkwürdig finde: Wenn man heute nach dem Mann sucht, findet man offenbar praktisch keine Informationen über ihn. Keine ausführlichen alten Vermisstenmeldungen, keine Berichte über eine damalige Suche, kaum biografische Angaben. Laut Gießener Allgemeiner gibt es im Netz im Grunde nur einen einzigen konkreten Hinweis.

Und genau der ist ziemlich seltsam.

Die Zeitung schreibt:

> „Wer im Internet stöbert und seinen Namen googelt, stößt nur auf einen einzigen Hinweis.“

Dabei handelt es sich um ein spanischsprachiges Plakat mit der Überschrift „Verschwundene im Amazonasgebiet“.

Auf diesem Plakat sind vier vermisste Personen abgebildet: ein Student, ein französischer Professor, ein US-amerikanischer Ingenieur und der Mann aus Gießen.

Über den Deutschen stehen dort unter anderem Angaben wie:

> „Deutscher von der Universität Gießen“

sowie die Beschreibung

> „groß und dünn“

und

> „kastanienbraune Augen“.

Das Plakat dürfte ungefähr 2010 oder 2011 entstanden sein, weil der Vermisste dort als 41 Jahre alt angegeben wird.

Und dann wird es noch merkwürdiger: Dieses Plakat wurde laut Zeitung in einer Internetgruppe diskutiert, in der das Verschwinden der vier Personen mit einem indigenen Stamm im Amazonasgebiet an der Grenze zwischen Peru und Brasilien in Verbindung gebracht wurde.

Ob dafür jemals irgendwelche Belege existierten, ist völlig unklar. Der Artikel formuliert das entsprechend vorsichtig. Danach scheint die Spur einfach abzubrechen.

Die Zeitung bringt es ziemlich treffend auf den Punkt:

> „Das war‘s. Mehr nicht.“

Mich würde wahnsinnig interessieren, woher dieses Plakat ursprünglich stammt. Wer hat diese vier Personen zusammengestellt? Warum gerade diese vier? Sind sie tatsächlich in derselben Region verschwunden? Kannten sie sich oder verschwanden sie zu unterschiedlichen Zeitpunkten? Und auf welcher Grundlage wurde der Gießener überhaupt dem Amazonasgebiet zugeordnet?

Denn eigentlich wissen wir aus den offiziellen Angaben zunächst nur, dass er sich zuletzt in Peru aufhielt.

Seine Eltern wollten inzwischen offenbar Gewissheit und beantragten schließlich seine Todeserklärung. Im August 2025 leitete das Amtsgericht Gießen ein Aufgebotsverfahren ein. Der Vermisste wurde öffentlich aufgefordert, sich zu melden; ebenso sollten sich Menschen melden, die etwas über seinen Verbleib wissen.

Das Ergebnis laut Gericht:

> „Es gab keine Meldung.“

Auch Nachforschungen über das deutsche Konsulat in Lima, die International Commission on Missing Persons und den Suchdienst des Deutschen Roten Kreuzes brachten offenbar nichts.

2026 wurde der Mann schließlich offiziell für tot erklärt. Im Beschluss heißt es:

> „Der Verschollene, deutscher Staatsangehöriger, zuletzt unbekannten Aufenthalts in Peru, wird für tot erklärt.“

Als formeller Todeszeitpunkt wurde rückwirkend der 31. Dezember 2018 um 24 Uhr festgesetzt. Das bedeutet natürlich nicht, dass bekannt wäre, dass er an diesem Tag gestorben ist. Das Datum ergibt sich aus den gesetzlichen Regeln für Verschollene.

Was mich an dem Fall beschäftigt, ist gerade diese unglaubliche Informationsleere. Ein deutscher Student bzw. ehemaliger Student verschwindet in Peru, seine Familie hört seit 2007 nichts mehr von ihm – und fast zwei Jahrzehnte später scheint online kaum etwas über seinen Fall auffindbar zu sein.

Und dann existiert ausgerechnet dieses merkwürdige spanische Plakat mit vier verschwundenen Ausländern im Amazonasgebiet.

Ich musste beim Lesen tatsächlich an Kris Kremers und Lisanne Froon denken. Natürlich liegen Panama und die mutmaßliche Region dieses Falls Hunderte bzw. weit über tausend Kilometer auseinander und es gibt keinen bekannten Zusammenhang. Ich meine damit eher dieses bedrückende Grundmotiv: Europäer verschwinden in einer abgelegenen Region Lateinamerikas, es gibt nur sehr wenige gesicherte Informationen und irgendwann entstehen im Internet Theorien darüber, was ihnen zugestoßen sein könnte.

Beim Gießener Fall finde ich die Informationslage allerdings fast noch rätselhafter.

Mich würden vor allem drei Dinge interessieren: Wo ist das Original dieses Vermisstenplakats? Wer waren die anderen drei abgebildeten Vermissten? Und warum wurden ausgerechnet diese vier Fälle miteinander verbunden?

Vielleicht findet ja jemand mit besseren Spanischkenntnissen oder Kenntnissen über alte südamerikanische Foren noch etwas dazu.

Quelle: Gießener Allgemeine, 17.05.2026, „Gießener wird nach 19 Jahren für tot erklärt – mysteriöses Plakat im Amazonasgebiet“
Quelle: https://www.giessener-allgemeine.de/giessen/ein-giessener-wird-nach-19-jahren-fuer-tot-erklaert-94308340.html