Röhrich schrieb:Merz seine großmäulige Aussage "größte Armee" Europas ist sicherlich nicht mehr Thema...
Und das Geld für die Rüstung wird immer mehr fehlen.
Aber dafür haben wir es dem Donald mal so richtig gezeigt, dass sollte es wert sein.
Die Rechnung dafür werden wir zahlen, wenn er lange nicht mehr Präsident ist.
Da, zum ersten, muss ich leicht korrigieren. Merz hatte nicht gesagt "größte", sondern "stärkste". Durchaus clever.
Wenn ich sage, "stärkste" in Europa, dann bleibt da noch Interpretationsspielraum; wenn ich sage, "größte", dann nicht.
Auch das ist Politik.
Und die größte stehende Armee im Block steht wo (weißt du sicher auch)? In Polen.
Obgleich mit 38 Millionen Einwohnern "nur" das fünftbevölkerungsreichste Land in der EU.
In Polen sind 2026 4,8 Prozent des BIP für Verteidigungsausgaben vorgesehen; 2025 waren es 4,7 Prozent.
In Deutschland sollen sie bis 2029 auf 3,5 Prozent anwachsen.
https://www.n-tv.de/ticker/Aufruestung-Polen-erhoeht-Verteidigungsausgaben-auf-fast-fuenf-Prozent-id30407374.htmlNico Lange hat da vor 2 Tagen einen guten Kommentar zu den Aufgaben geschrieben.
Die deutsche Rüstung braucht Strategie und Schnellspur
Eine moderne Verteidigungsökonomie entsteht im Zusammenspiel von Regierungen, Streitkräften, Industrie, Finanzsektor und Wissenschaft. Ein Gastbeitrag.
Quelle:
https://www.handelsblatt.com/meinung/kolumnen/geoeconomics-die-deutsche-ruestung-braucht-strategie-und-schnellspur/100212101.htmlZwei der Hauptpunkte.
Die geopolitische Realität ist leider eindeutig: Die USA werden nicht mehr das verlässliche Rückgrat europäischer Sicherheit bilden. Europa muss deshalb in der Lage sein, als europäischer Teil der Nato eigenständig handlungsfähig zu sein und seine Sicherheit selbst zu gewährleisten.
Dafür braucht es eigene Aufklärungs-, Führungs- und Kommunikationssysteme, eine europäische Luftverteidigung und Raketenabwehr, robuste Cyber- und Weltraumfähigkeiten, Fähigkeiten, jeden Gegner mit Drohnen und Raketen in der Tiefe zu treffen, sowie gemeinsame Munitions- und Logistiksysteme. Ohne diese strategischen Enabler bleibt Europa dauerhaft abhängig, verwundbar und politisch erpressbar.
Berlin trägt hier besondere Verantwortung. Mit dem größten Verteidigungshaushalt in Europa kann und muss Deutschland einen Unterschied machen. Wer über die größten Mittel verfügt, trägt die größte strategische Wirkungsmacht. Die Frage ist nicht, ob wir investieren, sondern ob wir die Investitionen so ausrichten, dass sie Europas Handlungsfähigkeit stärken und Technologieführerschaft sowie industrielle Wertschöpfung in Europa verankern.
Quelle: ebenda
(Und nu ja, eigenständig handlungsfähig sein und selbst Sicherheit gewährleisten können, das sagte schon Obama - wie lange her? - zu Merkel. Ich wollte ja, sagte sie in der Rückschau dazu, nicht ganz zu Unrecht. Wegen des 2 Prozent Ziels drohte Saskia Esken noch 2019 mit Koalitionsbruch. Auf den Punkt brachte es seinerseits Jan Behrends, in einem sehr guten Kommentar.
SpoilerRückfall in den National-Pazifismus
Jan C. Behrends 23. Juli 2019
Die SPD und die deutsche Sicherheitspolitik
Quelle: https://www.salonkolumnisten.com/rueckfall-in-den-national-pazifismus/ )
Und abschließend, auch guter Punkt da von Nico Lange:
Wer Innovation will, braucht Geschwindigkeit. Deshalb muss die Innovations- und Enablerquote über ein Fast‑Track‑Verfahren vergeben werden, mit eigener Agentur, eigenem Budget und eigenem Personal. Frei von den lähmenden Standardprozessen, die heute selbst einfache Beschaffungen verzögern. Fast Track bedeutet Monate statt Jahre, Prototypen statt PowerPoint, Spiral Development statt Großprojektlogik und eine enge Zusammenarbeit mit Start-ups, Scale-ups und zivilen Tech-Unternehmen. Deutschland kann nur dann technologisch führen, wenn es die Innovationsgeschwindigkeit der zivilen Tech-Welt in die Verteidigung überträgt.
Eine moderne Verteidigungsökonomie entsteht nicht in Ministerien und Parteigremien, sondern im Zusammenspiel von Regierungen, Streitkräften, Industrie, Finanzsektor und Wissenschaft. Deutschland muss sich dabei als kräftiger Ankerinvestor verstehen.
Der Ansatz, alles so zu machen wie immer, nur mit viel mehr Geld, ist gescheitert. Deutschland und Europa werden nicht verteidigungsbereit, weil sie viel Geld ausgeben. Wir werden verteidigungsbereit und abschreckungsfähig, wenn wir das viele Geld strategisch einsetzen: für Souveränität, für Technologie, für Tempo. Ein Plan ist besser als kein Plan.
Quelle:
https://www.handelsblatt.com/meinung/kolumnen/geoeconomics-die-deutsche-ruestung-braucht-strategie-und-schnellspur/100212101.html(Wie immer, besser ganz.)
Zum zweiten Punkt da von Dir im Wesentlichen Zustimmung.
Veronika Grimm sagte dazu, Europa und (das heißt auch immer vorneweg) Deutschland muss sich irgendwann überlegen, ob die Menschen nur an sich denken oder Verantwortung in der Welt übernehmen wollen.
Die SoftPower von Deutschland hängt eben auch davon ab, ob - und wie - man die Anliegen anderer Staaten ernstnimmt.